Kommentar

Lebenserfahrung

14.11.2016 - In England würde man liebevoll von "good old Tanja" sprechen, geduldig die Widrigkeiten, die mit dem Altern eines manchmal verfluchten, am Ende aber immer doch liebgewonnenen Alltagsbegleiters und Vertrauten einhergehen, ertragen. In Deutschland ist das anders. Hier wird alles, was nicht funktioniert, in der Regel umgehend ausgetauscht, oder, wie im Fall "Tanja", am besten gleich komplett entsorgt. Dass Schüler dann murren, weil sie noch vor Schulbeginn einen langen Umweg in Kauf nehmen müssen, ist verständlich. Doch ist nicht auch das mal eine wichtige Lebenserfahrung, dass nicht alles immer und in gleicher Form verfügbar ist?

Der nächste Hammer

05.11.2016 - Nun hat es die SPD auch im Kreistag erwischt. Nachdem den Sozialdemokraten bereits im Lüneburger Stadtrat die schwarz-grün-gelbe Karte gezeigt wurde, sind sie jetzt auch auf Kreisebende aus dem Rennen um die Macht geworfen worden. Wieder sind es CDU und Grüne, die sich zusammengetan haben, um, wie es heißt, mehr Transparenz und Offenheit in politische Entscheidungsprozesse zu bringen. Dass sie, anders als im Stadtparlament, jetzt sogar auf die Bildung einer Gruppe verzichtet und sich "nur" für eine Kooperation entschieden haben, deutet darauf hin, dass sie ihr Versprechen sogar ernst meinen.

Zeitenwende

23.10.2016 - Es ist kein Paukenschlag, es ist ein Beben, das sich an diesem Wochenende mit einem Riesenknall wie bei einem tief im Innern immer mehr unter Druck geratenen Vulkan mit aller Macht entladen hat. Der Druck, den Oberbürgermeister Ulrich Mädge in seinen nicht enden wollenden Amtsjahren unter den Ratsmitgliedern offenbar erzeugt haben muss, hat nun ihn selbst mit einer Heftigkeit kalt erwischt, wie es der machtgewohnte Politiker bislang nie gewohnt war – von seiner eigenen Partei nicht, aber auch vom politischen Gegner nicht. Viele Jahre wurde das System Mädge mehr ertragen als akzeptiert, nun haben er und seine SPD die Quittung bekommen. Für Lüneburg könnte es der Beginn einer neuen Zeitrechnung werden.

Nomen est Omen

17.08.2016 - Gut 40.000 Euro bekommt ein Projekt aus Steuermitteln des Landes. "Filzwerkstatt" ist der Name des Projekts, und bei der Fördersumme ist man leicht geneigt, auch an eben solches Filzwerk in der Politik des grünen Umweltministers in Hannover zu denken. Denn dass ein Projekt, das selbst nicht mehr als 60.000 Euro kostet, 40.000 Euro vom Land bekommt, ist stark. Mindestens ebenso stark ist, dass nicht einmal im Ansatz erkennbar wird, warum ein solches Projekt überhaupt gefördert wird. Denn den vom Land auferlegten Kriterien wird es erkennbar nicht gerecht. Einzig mögliche Schlussfolgerung: Hier wird gefördert, was der eigenen Klientel dient. Schön, dass man es dann wenigstens gleich bei seinem Namen nennt.

Vermessen

26.06.2016 - Ist es Zynismus oder war es bisher einfach nur Gleichgültigkeit? Wahrscheinlich beides, denn dass die Bemühungen von Stadt und Kreis in Kooperation mit Arbeitsagentur, Jobcenter und Landesschulbehörde zur Einrichtung einer Jugendarbeitsagentur zu diesem Zeitpunkt kommen, ist kein Zufall. Die heimische Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte, um ihre prallgefüllten Auftragsbücher fristgerecht abarbeiten zu können. Dass nun plötzlich in konzertierter Aktion eine Anlaufstelle für Jugendliche eingerichtet wird, ist daher nachvollziehbar. Nicht aber, dass dies nicht bereits zu Zeiten erfolgte, in denen die Schulabgänger ihrerseits auf Unterstützung gehofft hatten. Ihnen nun auch noch vorzuhalten, "unnötige Schleifen" doch künftig bitte sein zu lassen, ist vermessen.

An den Pranger gestellt

18.06.2016 - Ob es einen Hauseigentümer gibt, der sich freiwillig ein grünes Plastikschild an sein frisch gebautes oder saniertes Haus hängen mag, sei mal dahingestellt. Aber dass Landrat Manfred Nahrstedt eine Auszeichnung vergibt, die deutlich macht "Hier leben gute Menschen!", ist mehr als grenzwertig. Denn in Wirklichkeit ist die Botschaft dieser Gesinnungspolitik eine andere. Sie lautet: Wer keine grüne Nummer hat, ist ein schlechter Mensch. Nahrstedt stellt damit jeden an den Pranger, der seinem Aufruf nicht folgen mag oder kann. Schließlich hat nicht jeder genug Bares in der Tasche, um schnell mal ein Haus zu sanieren. Mit seiner Politik folgt Nahrstedt aber einem inzwischen gängigen Muster: Wer nicht mehr weiter weiß, setzt auf Stimmungen.

Alles auf Pump

11.04.2016 - Man muss kein Finanzgenie sein um zu verstehen, dass große Ausgaben ohne eigenes Geld nur mit hohen Schulden möglich sind. Die Stadt hat sich entschlossen, diesen Weg zu gehen und dafür jetzt auch grünes Licht aus Hannover bekommen. Das Land findet es in Ordnung, dass eine überschuldete Kommune 33 Millionen Euro ausgibt und dafür 22 Millionen Euro Schulden macht. Was man von dieser Art der "Finanzaufsicht" halten soll, ist das eine. Das andere ist, dass sich die Stadt mit dieser Schuldenpolitik auch noch als Motor in Sachen Bildung darstellt und angeblich den fürsorglichen Blick auf die nachwachsende Generation richtet. Das Gegenteil ist der Fall. Die geplanten Investitionen laufen auf Pump. Und zwar nachhaltig.

Gewinner und Verlierer

24.03.2016 - Das war's, nun ist er sie endlich los. Die Wut in Nahrstedts Bauch muss heftig gewesen sein, vor einem Jahr, als seine Kreisrätin sich erdreistete, gegen ihn als Kandidatin um das Landratsamt anzutreten. Zwar war zu dem Zeitpunkt noch Gesetz, dass Nahrstedt aus Altersgründen gar nicht mehr antreten durfte – das änderten seine Parteifreunde in Hannover erst Wochen später –, doch das hinderte ihn nicht daran, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Denn nicht die fachlichen Qualifikationen seiner Kreisrätin waren es, die ihn bewogen, sich von ihr zu trennen, sondern ein allem Anschein nach nicht besonders stark ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Anders ist es nicht zu erklären, warum er eine von allen Seiten gelobte und geschätzte Mitarbeiterin aus dem Amt befördern ließ. Doch das ist nicht alles.

Fahrstuhlfonds

20.03.2016 - Es klingt bombastisch, und man ist geneigt, den Hut zu ziehen. 42 Millionen Euro – laut jüngsten Pressemitteilungen sogar 85 Millionen Euro – will die Stadt Lüneburg in den kommenden Jahren in die Hand nehmen und einen Bildungsfonds auflegen. Was auf den ersten Blick wie die rettende Einsicht in die dringend erforderliche Verbesserung der schulischen Ausbildung nachfolgender Generationen aussieht, ist in Wirklichkeit ein gigantisches Betrugsprojekt: Denn statt in Bildung investiert die Stadt lediglich in Gebäude. Was anderes dürfte sie auch gar nicht. Der sogenannte Bildungsfonds ist eine Investition in Fahrstühle, nicht in Köpfe.

Wirtschafts-Verhinderer

11.03.2016 - Natürlich muss etwas getan werden, wenn Ortszentren nicht an einem schleichenden Einzelhandels-Tod zugrunde gehen sollen. Lüneburg ist da zum Glück fein raus. Noch. Denn auch in der Hansestadt sind seit langem Veränderungen spürbar, die sich durch Verdrängung kleiner Einzelhändler durch System- und Filialketten bemerkbar machen. Grund ist in diesem Fall einmal nicht die viel beklagte Internet-Konkurrenz, Grund sind häufig völlig überzogene Mietforderungen seitens der Immobilienbesitzer. Orte wie Dahlenburg, Amelinghausen oder Adendorf können davon allerdings nur träumen. Sie wären schon glücklich, wenn überhaupt mal ein Interessent am Ortsrand auftaucht. Nun bekommen sie auch noch Hilfe, die keiner gerufen hat.