Kommentar

Spiel mit dem Feuer

02.06.2013 - Ulrich Mädge wird häufig nachgesagt, dass Entscheidungen, wenn schon nicht von ihm allein, so doch zumindest nicht ohne ihn getroffen werden. Das hat gelegentlich sogar seine Berechtigung, schließlich ist Lüneburgs OB nicht nur schon sehr lange im Amt, er versteht es auch wie kaum ein Zweiter, Verwaltung und Politik so miteinander zu verzahnen, dass man den Eindruck erhält, nur er allein sei noch in der Lage, den Überblick über das Geschehen im Rathaus zu behalten. Dass er nun ausgerechnet bei einem Vorgang, bei dem es um Millionenforderungen des Bundes gegen die Stadt geht, vorgibt, nicht so recht im Bilde zu sein, ist daher nur schwer nachvollziehbar.

Wetten, dass ..?

28.05.2013 - Genialer Wetterschachzug: Die Stadt, die bereits - so darf man wohl zu Recht vermuten, nachdem im vergangenen Jahr im Hauruckverfahren das stadtverwaltungsungeliebte Reiterdenkmal beiseite geschafft wurde - konkrete Pläne für die "Neugestaltung" der alten Hafen-Bastion in der Schublade hat, lud nun heute zu einer "Bürgerversammlung" am kommenden Donnerstag ein. Man möchte gern mit den Menschen - besser: mit Vereinen, Kirchen und Umweltschutzorganisationen - über die ideologische Neuausrichtung dieses historischen Platzes sprechen, und zwar im Freien. Da es am Nachmittag kräftig schütten soll, wie ein Blick ins Internet auch den Terminmachern sicher verraten hat, dürfte das Wegbleiben der ebenfalls eingeladenen "Nachbarn" gewollt sein. Diese hätten ohnehin am Nachmittag kaum Zeit gehabt.

Das hat Folgen

29.04.2013 - Montagabend, Lüneburg, 22 Uhr. Ein Knall, dann noch einer. Erstes Stutzen. Wieder ein Rummsen. Beim vierten Knall wird klar: Da ist nicht etwa das E-Werk oder gar das Rathaus in die Luft geflogen, nein, die wichtigtuerische Beknallung läutet lediglich das Dienstende der Schausteller auf den Lüneburger Sülzwiesen ein. Doch die schlechte Laune von F. & Co war bis in die Redaktion zu spüren: Nur neun Minuten lang dauerte das Blitzgewitter, dann versank es beleidigt ohne ohrenbetäubenden Schlussakkord. Was war geschehen?

Na endlich!

18.04.2013 - Warum ist eigentlich niemand schon früher darauf gekommen? Landauf, landab wird von Bildungspolitikern aller Couleur seit Jahren gemahnt, dass die Zukunft Deutschlands in den Köpfen seiner Kinder stecke und uns - mangels natürlicher und sonstiger Ressourcen - nichts anderes übrig bleibe, als auf die Bildung kommender Generationen zu setzen. Spätestens seit "Pisa" wurde doch allen vor Augen geführt, dass es so nicht weiter gehen kann und wir den Anschluss an den Rest der Welt nicht verlieren dürfen. Aber wie? Wie wollen wir unseren Bedarf an Akademikern - pardon: Studiumsbeendeten - auf Dauer sichern?

Kartoffelsalat und Bier

03.04.2013 - Der Druck der Gesellschafter auf die Lüneburg Marketing GmbH muss enorm sein. Nicht anders ist es zu erklären, dass nun ausgerechnet Wohnmobilfahrer für einen weiteren Umsatzschub in der heimischen Wirtschaft sorgen sollen. Offenbar aber sind die Marketing-Leute an der Grenze ihrer Möglichkeiten angekommen, denn die jetzt ins Visier genommene Zielgruppe - zumeist Rentner, die ihr Geld gern beisammen halten und deshalb Hotels und Restaurants hartnäckig meiden - wird eines ganz sicher nicht: Lüneburg auch nur ansatzweise weiterbringen.

Ab in den Ausschuss!

03.04.2013 - Der historische Tag war gestern, wenn man Wikipedia Glauben schenken darf: "Während der Befreiungskriege kam es am 2. April 1813 zu einem Gefecht bei Lüneburg zwischen den Füsilieren und freiwilligen Jägern des 1. Pommerschen Infanterie-Regiments und napoleonischen Truppen. Als im Laufe dieses Gefechts dem preußischen Regiment die Munition auszugehen drohte, versorgte Johanna Stegen, die Tochter eines Lüneburger Salzsieders, die Soldaten mit Munition, die sie in ihrer Schürze herbeitrug. Durch diese Tat, die maßgeblich zum Sieg der preußischen Truppen beigetragen haben soll, wurde sie als 'Heldenmädchen von Lüneburg' bekannt."

Markenversprechen

10.03.2013 - Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn man es dann endlich hat. Seinem Besitzer verleiht es unsichtbaren Glanz und man zollt ihm einen gewissen Respekt dafür, dass er es erworben hat. Denn es war nicht ganz leicht, an diese allseits geschätzte Begehrlichkeit heranzukommen - damals, als das erste iPhone auf den Markt kam. Bis heute haben weder Name noch Produkt von seinem Glanz etwas eingebüßt, bis heute ist der Wunsch, es zu besitzen, nicht geringer geworden. Mit dem Abitur verhält es sich - bislang noch - genauso. Doch während das iPhone sein Alleinstellungsmerkmal durch ständige Produktverbesserungen aufrecht erhält, droht das Abitur zur billigen Imitation seiner selbst zu verkommen.

Verteilungsromantik

10.03.2013 - Julia Verlinden scheint der neue Shootingstar der Grünen zu werden, zumindest schon mal in Niedersachsen. Die Lüneburgerin hängt nicht nur problemlos langgediente Grüne aus der Region ab, offenbar mühelos schaffte sie jetzt auch den Sprung auf einen der vordersten Listenplätze für die kommende Bundestagswahl. Was aber macht die 34-Jährige so erfolgreich? Für mehr Umwelt und noch weniger Energieverbrauch setzen sich doch auch andere ein?

Freiheit aushalten

04.03.2013 - Dr. Gerhard Scharf wagte sich im Rat weit vor mit seiner Bemerkung, dass die Entfernung von Denkmalen und die Umbenennung von Straßen in letzter Konsequenz wieder beim "Bücherverbrennen" enden könne. Der CDU-Poltiker wird sich der Wahl seiner Worte bewusst gewesen sein, denn nicht nur als Historiker weiß Scharf um die Bedeutung dieses Begriffs. Das Echo darauf in weiten Teilen des Rats war absehbar - und zeigte damit auch, dass Scharf mit seinen Befürchtungen vielleicht gar nicht so sehr daneben gegriffen hat.

Arsen oder Mensa?

19.02.2013 - Es ist ruhig in Alt Garge, verdächtig ruhig. Während in der nicht weit entfernten Hansestadt an der Ilmenau Legionen von Politikern und Demokratieschützern sich an aufmüpfigen Straßenschildern abarbeiten, sieht sich der idyllische Ort an der Elbe einem fast beleidigenden Desinteresse regionaler Politik ausgesetzt. Und das, obwohl die Arsen-Funde von Alt Garge bereits den Weg in die Fernseh-Wohnzimmer des Landes gefunden haben.