Kommentar

Denn sie wissen nicht, was sie tun

07.06.2014 - Natürlich ist es anerkennenswert, wenn eine Universität ihren Studenten beibringt, wie wissenschaftliche Texte zu verfassen sind. Und es schadet auch nicht, wenn angehende Akademiker sich auch mal mit aristotelischer Logik beschäftigen, um die Grundprinzipien des Syllogismus, also der Lehre vom logischen Schluss, zu kennen. Denn wie sonst sollten sie, die Damen und Herren Studenten, wissen, ob die von ihnen getroffenen Aussagen und Schlussfolgerungen zumindest formalen Ansprüchen genügen. Nichts ist schließlich peinlicher, als eine komplette Examensarbeit nur deshalb in den Sand gesetzt zu haben, weil irgendwo eine Konklusion falsch gezogen wurde. Oder doch? Ja, es geht noch schlimmer.

Auch das noch

21.04.2014 - Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode - an diese Worte Shakespeares fühlt man sich unweigerlich erinnert, wenn man sich die neuen Vorgaben aus der Energieeinsparverordnung vor Augen führt. Dort ist jetzt festgelegt, dass Energieausweise künftig nicht nur eine Registriernummer erhalten sollen, die Kenndaten des Energieausweises sollen sogar Pflichtbestandteil von Immobilienanzeigen werden. Und sogar externe Stichproben sollen durchgeführt werden - vermutlich nistet sich der Kontrolleur dann für ein paar Tage in der Wohnung ein und prüft neben der Einhaltung der zulässigen Biertemperatur auch die Durchlaufgeschwindigkeit beim Warmduschen. 

Adebar

11.04.2014 - An sich ist es ja durchaus lobenswert, was die Feuerwehr Walmsburg für ihre gefiederten Gäste unternommen hat: Beim letzten Übungsdienst reparierten die tapferen Kameraden von der Elbe das Storchennest am Sportplatz, in 10 Meter Höhe wurden Zweige, Eseldung und Grassoden in das durch Sturm und Regen ramponierte Nest eingearbeitet. Bei der dringend eingeleiteten Reparatur wurde sogar die Feuerwehr Bleckede zu Hilfe gebeten, sie unterstützte das ornitologische Unterfangen durch ihre flugs herbeigeholte Drehleiter. Doch bei Licht betrachtet bleibt eine Frage offen: Wie haben es die Störche in den unzähligen Jahrzehnten vor unserer Zeit bloß angestellt, ihren Nachwuchs auch ohne Drehleiter zur Welt zu bringen?

Nachhaltige Inklusion

08.03.2014 - Landrat Manfred Nahrstedt macht richtig Dampf: Er fordert ein nachhaltiges Internet. Toll! Und: Der Landkreis Lüneburg sei Vorreiter in Niedersachsen beim Handlungskonzept für die Breitbandversorgung. Hallo? Handlungskonzept? Dass der Landkreis dringend Zugang zum schnellen Internet braucht, ist seit Jahren bekannt! Warum wird nicht schon längst in Vastorf, Mechtersen, Betzendorf, Ellringen und den vielen anderen Dörfen im Landkreis gebuddelt und verlegt? Denn der schnelle Zugang zum Internet, da hat Minister Lies Recht, gehört inzwischen ebenso zur Daseinsvorsorge wie Wasser und Strom. Doch offenbar nicht für Landrat Nahrstedt.

Fördermittel-Junkies

15.02.2014 - Man muss sich das ähnlich wie in einem Elektronik-Supermarkt vorstellen: Überall verlockende Angebote, ausgerichtet auf die Bedürfnisse des Kunden und gespickt mit Zetteln, auf denen steht, was das Produkt alles kann und wie lange das Angebot noch gültig ist. Finanzierung kein Problem, das kommt später, nur ein geringer Eigenanteil ist fällig. Da braucht es schon ein wenig Standfestigkeit, Nein zu sagen, wenn der Wunsch groß, das Geld aber knapp ist. Was für unsereinen der Elektronik-Supermarkt ist, sind für Politiker die regionalen, nationalen und EU-Fördertöpfe, die ständig mit neuen, glitzernden Prospekten auf den Markt der kommunalen Bedürfnisse gebracht werden. An ihnen kommen die meisten Bürgermeister und Landräte so wenig vorbei wie der Junkie an der Spritze.

Kandidaten-Vakuum

23.01.2014 - Allmählich wird es peinlich für die Lüneburger CDU. Eine der aussichtsreichsten Parteien, die in der Lage wäre, bei der anstehenden Oberbürgermeisterwahl in Lüneburg Amtsinhaber und Wiederantreter Ulrich Mädge Paroli zu bieten, hat noch immer keinen eigenen Kandidaten aufgestellt - oder gefunden. Letzteres scheint inzwischen wahrscheinlich, denn anders ist es kaum noch zu erklären, warum sich die Partei nach wie vor bedeckt hält. Wahlkampfstrategie jedenfalls kann nicht dahinter stecken, denn warum sollte für die bereits vor Wochen von der CDU nominierte Monika Scherf - sie tritt gegen Landrat Manfred Nahrstedt an, der es auch noch einmal wissen will - andere Wahlkampfgesetze gelten als für einen CDU-Oberbürgermeister-Kandidaten? Das entstandene Kandidaten-Vakuum hat jetzt die Links-Partei für sich genutzt und eigene Leute ins Rennen geschickt.

Politik-Profis

12.12.2013 - Warum auch immer die Nachricht, dass die Lüneburger SPD sich erneut für Oberbürgermeister Ulrich Mädge als Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl im Mai kommenden Jahres ausgesprochen hat, für die Öffentlichkeitsarbeiter der Partei keine Nachricht wert ist, mag verstehen wer will. Aber wie so oft hat die Partei mit dem Glück des Unwissenden doch noch jemanden gefunden, der ihr die Arbeit abgenommen hat: Eckhard Pols, Bundestagsabgeordneter und nichterklärter Oberbürgermeisterkandidat der Lüneburger CDU. Er verbreitete heute das, was die SPD nicht hinbekam: Ihr Votum für Ulrich.

Erinnerung

02.12.2013 - Es ist nur ein Haus und es gibt zum Glück keine Opfer oder Verletzten zu beklagen. Dennoch: Der Verlust des alten Lösecke-Hauses am Stintmarkt schmerzt sehr. Nicht, weil dieses historische Gebäude wie so viele in der Stadt von großem Wert für die touristische Wahrnehmung der Hansestadt ist, sondern weil es wie nur wenige Häuser in der Stadt eine so große Bedeutung für das kollektive Erinnern und Empfinden vieler Lüneburger hat. Denn der Blick, den man diesem Haus immer gern schenkte, wenn man über die Brausebrücke ging, wurde belohnt mit dem Widerschein einer Kulisse, die das Haus Georg von Löseckes maßgeblich bestimmt hat. Seine wuchtige und zufriedene Selbstbestimmtheit, die es stets ausstrahlte, wirkte auf besondere Weise beruhigend und verlässlich.

Suppenkasper

21.10.2013 - "Ich esse meine Suppe nicht! Nein, meine Suppe ess' ich nicht!" Man muss nicht den Struwwelpeter gelesen haben, um zu wissen, dass Kinder - auch die süßen kleinen - mitunter ganz eigene Vorstellungen von dem haben, was gut oder nicht so gut für sie ist. Ob es gut ist, dass der Landkreis Lüneburg jetzt das Thema Partizipation in die Kinderkrippen trägt, ist zumindest fraglich. Denn dort sollen nun die Jüngsten selbst entscheiden, wann sie essen und schlafen möchten und auch, ob sie gewickelt und angezogen werden wollen oder nicht. Partizipation beginne mit der Geburt, so der Grundgedanke, der hinter dieser abenteuerlich anmutenden Idee steht.

Essen für den Frieden

07.09.2013 - Wenn morgen in Lüneburg mehrere Hundert Sportfreunde zusammenkommen, um sich beim diesjährigen Volkslauf von MTV und Eon im Wettstreit um die besten Laufzeiten zu messen, steht bereits ein Gewinner fest: das schlechte Gewissen. Dieses plagt die Veranstalter anscheinend derart, dass sie im vorauseilenden Gehorsam vor umwelthysterischen Gruppierungen bereits für Kompensation gesorgt haben: Weil die Teilnehmer durch Anfahrt und Übernachtungen CO2-Emissionen verursachen, soll die dadurch entstehende Klima-Mehrbelastung durch den Einsatz effizienter Kocher in Ghana ausgeglichen werden. Kein Scherz!