Weniger Gottvertrauen

08.08.2018 - Es ist keine Selbstverständlichkeit, wenn in Deutschland eine Kita eröffnet wird, die gemeinsam von Christen und Moslems getragen wird. In Gifhorn war das jetzt der Fall, es ist die erste in Deutschland überhaupt. Umso erstaunlicher ist es, dass Landessuperintendent Dieter Rathing mit keinem Wort auf die Sorgen, Ängste und Befürchtungen der Kritiker dieses wagemutigen Projekts einging. Stattdessen die übliche Reaktion: Kritiker werden als "Rechtspopulisten" in die Ecke gestellt, in der man sie am liebsten sieht, weil man meint, auf eine inhaltiche Auseinandersetzung von vornherein verzichten zu können. Das Gegenteil ist der Fall.

Wer die Argumente seiner Kritiker nicht benennt und sie nicht entkräftet, hat entweder keine besseren, oder es ist ihm egal. Hier scheint nun sogar beides zuzutreffen, anders lässt sich die offenkundige Gleichgültigkeit nicht erklären. Noch schlimmer: Sie zeugt von Überheblichkeit. Dass sich die Kirche dies noch leisten kann in Zeiten steten Mitgliederschwunds, mag den einen oder anderen irritieren. Überraschend ist es dennoch nicht, schließlich können die Kirchen auf sprudelnde Einnahmen wie schon lange nicht mehr blicken. So ist die Zahl der Christen von 2005 bis 2016 zwar um knapp 6 Millionen Mitglieder auf 45,5 Millionen Mitglieder gesunken, die Einnahmen im selben Zeitraum aber um mehr als 4 Milliarden Euro auf 11,6 Milliarden Euro um Jahr 2016 gestiegen. Und das allein durch die Kirchensteuer, Einnahmen aus Grundstücksbesitz und durch diakonische oder karitative Organisationen noch gar nicht eingerechnet.

Der Landessuperintendent muss sich also wegen der kirchlichen Finanzen um die Anzahl seiner Schäfchen keine wirklichen Sorgen machen. Anders sieht es bei deren Seelenlage aus. Bei der Annäherung der christlichen Kirchen an den Islam kommen bei vielen Gläubigen Fragen auf, die sie gern beantwortet hätten. Die vielgescholtenen "Rechtspopulisten" hatten Rathing eine Steilvorlage geliefert darzulegen, wie sich die Protestanten künftig aufgestellt sehen und ob es weiterhin Sinn macht, überhaupt noch Mitglied einer Kirche zu sein. 

Doch Rathing zog es vor, den einfachen Weg zu gehen und empfahl, "mehr Gottvertrauen" in den Lauf der Dinge zu setzen. Dafür braucht man aber keine Kirche, erst recht keinen Landessuperintendenten. Hier darf man etwas mehr Hintergrund und Erklärung erwarten. Es muss ja nicht gleich in Erleuchtung enden.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Die Kirche wird muslimischer"

 

 

Kommentare  

+3 # Konstantin Ossius 2018-08-08 12:34
Der Landessuperintendent muß jetzt nur noch erklären, wie er den Widerspruch des Bekenntnisses von Nicäa zur Dreifaltigkeit - für evangelische Theologen: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind ein und dieselbe Substanz, Katholiken, die ja etwas gebildeter sind als Evangelikale, nennen das Trinität - zur islamischen Behauptung, eine Dreifaltigkeit gebe es nicht, weil Jesus nur Prophet und rein er Mensch, also nicht Gottes Sohn sei, den christlichen und moslemischen Insassen der Kita erklären will. Vermutlich hat der Landessuperintendent von der entscheidenden Differenz des Christentums zum Islam gar keine Ahnung. Es reicht vermutlich aus, der richtigen Partei nahezustehen oder sogar Mitglied zu sein, um Landessuperdingsbums zu werden. Theologie spielt überhaupt keine Rolle, wenn der Landesbumsdingsdent den Auftrag verspürt, das rassistischnazihafte Christentum endlich zu beseitigen.
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