Kreativität allein reicht nicht

Filmemacher diskutierten auf der 2. Lüneburger Media Night

Diskutierten in der "Media Night" über Chancen der Filmwirtschaft: (v.l.) Moderator Dirk Martens (House of Research GmbH), Dr. Jan Asmus (nordmedia), Christian Seemann (Hochschule Main), C. Cay Wesnigk (Onlinefilm AG). Foto: WLGLüneburg, 03.11.2016 - "Der Blick muss auf Deutschland gehen. Es ist nicht zu spät, aber auch nicht wahnsinnig früh." Diese Erkenntnis offenbarte Dirk Martens in seinem Impulsvortrag "Wie Virtual Reality (VR) den Film- und Medienmarkt verändert". Martens ist Geschäftsführer des House of Research in Berlin, Lehrbeauftragter an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen. Er war einer der Gäste der 2. Lüneburger "Media Night" Ende Oktober in der Lüneburger Kultur-Bäckerei.

"Die Nachfrage nach 360°-Produktionen ist sehr groß. Das wissen wir zumindest aus unserer Region Berlin/Brandenburg, wo viele Anfragen laufen, die in der Regel Werbe- und PR-Filme betreffen, nicht aber Spielfilme", sagte Martens. Dennoch rät er Produzenten, die sich für die 360°-Variante interessieren, auch an neuen kreativen Erzählformen zu arbeiten, mit denen sich Zuschauer binden lassen. Nur so ließen sich neue Marktfelder erschließen, in denen man nicht die Konkurrenz aus China oder den USA fürchten müsse. 

Die "Media Night" ist eine Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Lüneburg in Kooperation mit dem Film- und Medienbüro Niedersachsen und der Medienagentur M7, der nordmedia und der Sparkassenstiftung Lüneburg. Zum Thema "Online-Distribution von Film- und TV-Produktionen“ kamen Teilnehmer des Film- und Medienforums und weitere Branchenexperten mit regionalen Vertretern der Kreativwirtschaft und Politik zusammen. Moderiert wurde der Abend von Dr. Jan Asmus, Förderreferent für TV, Animation und Games der nordmedia, Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen.

Die gute Nachricht sei, so der Produzent, Journalist und Vorstandsvorsitzende der Onlinefilm AG C. Cay Wesnigk, dass sich alle Filme bei Amazon hochladen ließen, "nur verliere der Produzent dadurch den Direktkontakt zum Endkunden." Eindrücklich schilderte er die Ohnmacht der Filmemacher, den Markt auch ohne Versandhändler und große Online-Portalbetreiber zu erobern. Wesnigk: "Wir haben als Produzenten nicht gelernt, unser Geld mit dem Verkauf von Filmen zu verdienen, und jetzt ist es schwer, in diesen Markt zu kommen." Detailliert beschrieb er den steinigen Weg dorthin, der mit dem Filmemachen nichts mehr zu tun habe.

Christian Seemann, Experte im Bereich Wirtschaftsinformatik der Hochschule Mainz, wies auf Studienergebnisse hin, die Veränderungen im Konsumverhalten und des Anbietermarktes verdeutlichen.

Insgesamt wurde an dem Abend deutlich, dass Kreativität allein kein Erfolgsgarant ist. Vielmehr müssten geschicktes und zeitintensives Marketing und ein Finanzmanagement hinzukommen, um im internationalen Wettbewerb in der Publikumsgunst zu bestehen.

 

 

 

Themen-Links: