Falscher Name für die Theodor-Körner-Kaserne?

Lüneburger Linke wollen Traditionserlass der Bundeswehr für Umbenennung der Lüneburger Kaserne nutzen 

Die Theodor-Körner-Kaserne in Lüneburg trägt nach Auffassung der Linken einen nicht hinnehmbaren Namen. Foto: LGheuteLüneburg, 03.04.2018 - Seit der Lüneburger Bürgermeister Dr. Gerhard Scharf sich bei einem Video-Gespräch am Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division auch zur Erinnerungskultur der Linken in Lüneburg geäußert hat (LGheute berichtete), kommen diese nicht mehr zur Ruhe. Zuletzt hatten sie sich für ein Forum für Erinnerungskultur eingesetzt, waren damit aber im Kulturausschuss der Stadt nicht durchgedrungen. Ihr neuester Coup: Jetzt ist die Theodor-Körner-Kaserne nicht genehm, die Linken stören sich an dem Namen. Ihr Argument: Die Nazis hätten sich des um 1900 lebenden Dichters zu eigen gemacht.

In einer heute veröffentlichten Pressemitteilung der Lüneburger Linken fordern diese einen "kritischen Umgang" mit der hiesigen Theordor-Körner-Kaserne. Dabei beziehen sie sich auf den von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen unterzeichneten Traditionserlasses für die Bundeswehr. David Amri, Fraktionsvorsitzender im Lüneburger Stadtrat, fordert: "Namensgeber der Kaserne ist ein nationalistischer Dichter, der um die Wende ins 19. Jahrhundert lebte. Theodor Körner wird heute vor allem in rechtsradikalen Kreisen gerne zitiert. Im Nationalsozialismus bediente sich Joseph Goebbels in seiner verhängnisvollen Sportpalastrede mit den Worten 'Sturm brich los' der Verse Theodor Körners. Wir sollten die aktuelle Debatte zur Umbenennung von Kasernen auch in Lüneburg führen."

Weiter begründet Amri die Forderung der Linken damit, dass der Umgang mit dem Traditionserlass "auch Sache der Zivilbevölkerung" sei und nicht nur Bundeswehr-intern bestimmt werden könne. "Für die Öffentlichkeit ist allerdings nicht ersichtlich, wie in der Kaserne zum Beispiel mit dem Obelisk des Kampfgeschwaders 26 umgegangen wird, dessen Mitglieder zuvor teilweise der Legion Condor angehörten und bei der Vernichtung Guernicas mitwirkten", behauptet Amri. Auch für den Gedenkstein für die 110. Infanteriedivision "brauchen wir eine historische Einbettung und eine Aufarbeitung der militärischen Geschichte Lüneburgs", so David Amri.

 

Was Wikipedia über den deutschen Dichter schreibt:

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs. Körners Gedichte aus seinem Buch Leyer und Schwert wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit.

Lützows wilde, verwegene Jagd auf Körners Text in Carl Maria von Webers dramatisch-schwungvoller Vertonung ist bis heute ein beliebtes Paradestück des deutschen Männer-Chorgesangs. Professor Kurt Huber zitierte 1943 im 6. Flugblatt der "Weißen Rose" die erste Zeile aus Körners Aufruf (1813): „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.“ Marlene Dietrich wählte die Zeile „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“ aus Körners Sonett Abschied vom Leben (aus Leier und Schwert) als Inschrift für ihren Grabstein in Berlin.

Daneben haben aber auch die Nationalsozialisten Theodor Körner für sich reklamiert. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelin wurde 1938 aufwendig zur „nationalen Weihestätte“ umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ aus dem Gedicht "Männer und Buben" lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase „Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!“, das Finale der Sportpalastrede.

In der Nachkriegszeit gilt Theodor Körner für die rechtsextreme Szene als „Rebell für Deutschland“. Auf einer Großveranstaltung im Münchner Löwenbräukeller am 21. April 1990 wurde der Spruch aufgesagt: „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“ Im 21. Jahrhundert wird dieser Spruch über das Internet als angebliches Körner-Zitat verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte „Der Flügel“, eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“ mit dem obigen Spruch.

 

Lesen Sie hierzu auch den Kommentar.

 

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