Linke fordern Scharfs Rücktritt

Kritik auch von anderen Fraktionen – Lüneburger Bürgermeister spricht von "Blackout"

Beschmiert von Kritikern: Der Gedenkstein für die Gefallenen der 110. Infanterie Division. Der Stein trägt die Inschrift: Es sage keiner, dass unsere Gefallenen tot sind. Foto: LGheute Lüneburg, 13.01.2018 - Nach ihrer Kritik an den Äußerungen des Lüneburger Bürgermeisters Dr. Gerhard Scharf (CDU) vor einem Gedenkstein fordert die Links-Partei nun auch den Rücktritt des Bürgermeisters. Die Partei wirft ihm relativierende Äußerungen zu Wehrmachtsverbrechen vor. Auch eine bislang ausgebliebene Entschuldigung gegenüber den von ihm mit deutlichen Worten kritisierten Linken sowie sogenannten Opferverbänden seien Anlass für die Rücktrittsforderung. Scharf selbst schließt einen Rücktritt aus. 

"Wir hätten uns gewünscht, dass Dr. Scharf selbst diesen Schritt geht und von seinem Amt als Bürgermeister der Stadt Lüneburg zurücktritt. Wir verstehen nicht, dass er für seine Äußerungen von Oberbürgermeister Mädge Rückendeckung erhält und versucht wird, einen 'Hinterhalt' als Entschuldigung zu konstruieren", sagt David Amri, Mitglied der Links-Partei im Lüneburger Stadtrat. Scharfs persönliche Geschichte als Zeitzeuge des Krieges sei zu respektieren, sie dürfe aber nicht zur Rechtfertigung von relativierenden Aussagen zur Wehrmacht herangezogen werden. Deshalb fordert Amri: "Herr Scharf muss von seinem Amt als Bürgermeister zurücktreten."

Scharf hatte sich wie berichtet in einem Youtube-Kanal über den Umgang mit einem Lüneburger Gedenkstein für die 110. Infanterie-Division sowie allgemein über Formen der Erinnerungskultur in Lüneburg geäußert. Sein Gesprächspartner war dabei ein Internet-Blogger, dem rechtextremes Gedankengut vorgeworfen wird. Scharf erklärte, weder den Mann noch dessen Blog zuvor gekannt zu haben und zufällig auf ihn vor dem Gedenkstein gestoßen zu sein. Dabei hatte Scharf die Forderungen der Linken und anderer zur Entfernung dieses und anderer Gedenksteine und Denkmäler als "Dummheit" bezeichnet, zudem deutlich gemacht, dass ihm in der Auseinandersetzung mit den Linken bei diesem Thema gelegentlich "das Messer in der Tasche aufgeht".  

In der Lüneburger "Landeszeitung" hatte Scharf seine Äußerungen bedauert und von einem "Blackout" gesprochen, sich inhaltlich aber nicht weiter geäußert. Thorben Peters, Kreisvorsitzender der Lüneburger Links-Partei, kritisiert dieses Verhalten und eine bislang ausgebliebene Entschuldigung Scharfs gegenüber den Linken und den sogenannten Opferverbänden. "Stattdessen wird ein Blackout vorgeschoben, mit dem er sich als Opfer eines Rechtsradikalen darstellt. Das ist keine Entschuldigung, das ist ein Ausweichen vor der inhaltlichen Kritik an seinen untragbaren Äußerungen. Herr Scharf ist daher als Bürgermeister nicht mehr tragbar."

Unweit des Gedenksteins steht dieses Hinweisschild der Manzke-Friedensstiftung mit ausführlichen Erläuterungen zur 110. Infanterie-Division. Foto: LGheuteOberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) hatte sich vor Scharf gestellt, dessen Äußerungen aber ebenfalls als unglücklich bezeichnet, so auch Scharfs eigene Fraktion, die CDU, die aber ebenfalls keinen Anlass für einen Rücktritt des Bürgermeisters sieht. Kritik an Scharfs Verhalten gab es auch von den Stadtratsfraktionen der SPD, Grünen und FDP.

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