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Kirche schaltet sich in den Wahlkampf ein

Pastoren und Diakone mahnen, auf dem Wahlzettel das Kreuz an der richtigen Stelle zu setzen

Mit einem Banner geht der evangelische Kirchenkreis Lüneburg in die politische Auseinandersetzung. Foto: ev. Kirchenkreis LüneburgLüneburg, 16.02.2025 - Einen Tag nach dem Anschlag von München meldete sich am Freitag die Gemeinschaft der evangelischen Pastoren, Diakonen und Einrichtungsleiter im Kirchenkreis Lüneburg zu Wort. Doch um den Anschlag, bei dem ein 24-jähriger Afghane mit einem Auto mehr als dreißig Menschen zum Teil schwer verletzte, geht es den Kirchen-Mitarbeitern nicht. Sie wollen sich im Vorfeld der Bundestagswahl für "Vielfalt und Demokratie" einsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung – und mahnen, am Wahltag "das richtige Kreuz zu machen".

"Menschenwürde, Nächstenliebe und Zusammenhalt" steht auf den Bannern, die derzeit an vielen Kirchen und kirchlichen Einrichtungen in der Region und in ganz Niedersachen und Bremen angebracht sind. Es ist eine Aktion, der sich auch der evangelische Kirchenkreis Lüneburg angeschlossen hat und die ein klares Ziel verfolgt: Wähler dazu zu bringen, auf dem Wahlzettel zur Bundestagswahl am 23. Februar das Kreuz dort zu machen, wo es aus Sicht der Kirche stehen sollte.  

Ihre gezielte Einflussnahme begründen die Kirchen-Aktivisten mit Deutschlands nationalsozialistischer Vergangenheit. "Die Kirchen haben 1933 die rechtsextreme Gefahr viel zu sehr unterschätzt und viel zu wenig den Mund aufgemacht", sagt der Leitende Superintendent Christian Stasch, daraus müsse man lernen. Er liebe Deutschland "eben gerade wegen seiner Vielfalt, Buntheit und Offenheit".

Superintendent Christian Cordes mahnt, die Demokratie in Deutschland zu verteidigen. "Wenn wir uns auseinandertreiben lassen von denen, die die Demokratie gefährden wollen, dann haben sie schon ihre Ziele erreicht. Wenn wir uns nicht mehr um die wirklich wichtigen Themen unserer Gesellschaft kümmern, sondern nur noch darum, wie wir Menschen aus unserem Land jagen können. Wenn wir uns nicht mehr um gute Bildung, um gute Infrastruktur, um den Klimawandel kümmern, dann haben sie ihr Ziel schon erreicht."

Matthias Skorning, Leiter der evangelischen Familien-Bildungsstätte, findet es "besonders wichtig, dass wir uns dafür einsetzen, dass unsere Kinder in Offenheit und Vielfalt aufwachsen. Daher jetzt bei der Wahl das richtige Kreuz machen."

Pastor Timo Milewski aus Bardowick wiederum mache die Diskussion "gerade sehr große Angst". Er habe "gar kein gutes Gefühl" und fordert alle auf, "für unsere Freiheit" wählen zu gehen. Und Saskia Gelhaus-Rienecker von der Fachstelle Inklusion des Kirchenkreises Lüneburg betont: "Mir ist es total wichtig, dass alle wählen gehen, damit Menschen mit Behinderung in Deutschland weiter gut leben können und wir nicht Zustände bekommen, die wir sie vor vielen, vielen Jahren schon einmal hatten."

Vor wem die Kirchenvertreter konkret warnen, wurde nicht mitgeteilt. 


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