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Beschämend

16.02.2025 - Dürfen Vertreter der Kirche sich heute mit mehr oder weniger eindeutiger Wahlempfehlung in den laufenden Bundestagswahlkampf einmischen? Als Privatpersonen natürlich, das Recht steht schließlich jedem zu. Als Institution Kirche allerdings nicht, das ist nicht ihre Aufgabe. Dass sie es 1933 nicht getan hat, kann auch keine Begründung dafür sein, es heute tun zu müssen. In Zeiten eines aufgeklärten Bürgertums und allgegenwärtiger Informations- und Kommunikationsmöglichkeiten braucht es keine Empfehlung von der Kanzel, wo man sein Kreuz zu setzen hat. 

Dass die Kirchen 1933 und danach geschwiegen haben, ist dem Wesen der Kirche geschuldet. Sie hatte schon immer die Nähe zur etablierten Macht gesucht und genutzt und war selbst über Jahrhunderte wirkmächtige Instanz europäischer Politik. Ohne das Placet der Kirche wurde kein König gekrönt und nur mit ihrem Segen in Kriege gezogen.

Es wäre daher zu begrüßen, wenn die deutschen Kirchen sich heute von diesem Teil ihrer Vergangenheit verabschieden sollten. Doch danach sieht es ganz und gar nicht aus. Denn statt zu schweigen, was ihnen nach der 1919 erfolgten Trennung von Staat und Kirche ohnehin zustünde, ergreifen sie erneut Partei und machen Politik nach eigenem Gusto.

Die politische Stoßrichtung zumindest der evangelischen Kirche wurde deutlich, als deren EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm 2019 zu Spenden für die Finanzierung eines Flüchtlingsschiffs im Mittelmeer aufrief, mit dem seit Jahren die illegale Einwanderung unterstützt wird.

Dieselbe politische Haltung der evangelischen Kirche zeigte sich 2021 mit der Forderung desselben EKD-Vorsitzenden, von den "Vermögenden und Profiteuren der Pandemie" einen Sonderbeitrag zur "gerechten Verteilung" der Corona-Kosten zu fordern. Dies aus dem Mund des Chefs eines der vermögendsten Institutionen Deutschlands überhaupt.  

Aber noch etwas anderes irritiert an dem Aufruf, der einen Tag nach dem Attentat von München veröffentlicht wurde, bei dem zwei Menschen getötet und viele weitere zum Teil schwer verletzt wurden. Weder zu diesem Attentat noch zu Aschaffenburg, Magdeburg, Solingen, Mannheim, Brokstedt und den anderen Orten des Schreckens, an denen unschuldige Menschen Opfer hasserfüllter Migranten wurden, wurde auch nur ein Wort gesagt. Für eine Kirche ist das mehr als beschämend.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Kirche schaltet sich in den Wahlkampf ein"

 

 

 

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