23.10.2016 - Es ist kein Paukenschlag, es ist ein Beben, das sich an diesem Wochenende mit einem Riesenknall wie bei einem tief im Innern immer mehr unter Druck geratenen Vulkan mit aller Macht entladen hat. Der Druck, den Oberbürgermeister Ulrich Mädge in seinen nicht enden wollenden Amtsjahren unter den Ratsmitgliedern offenbar erzeugt haben muss, hat nun ihn selbst mit einer Heftigkeit kalt erwischt, wie es der machtgewohnte Politiker bislang nie gewohnt war – von seiner eigenen Partei nicht, aber auch vom politischen Gegner nicht. Viele Jahre wurde das System Mädge mehr ertragen als akzeptiert, nun haben er und seine SPD die Quittung bekommen. Für Lüneburg könnte es der Beginn einer neuen Zeitrechnung werden.
Kommentar
17.08.2016 - Gut 40.000 Euro bekommt ein Projekt aus Steuermitteln des Landes. "Filzwerkstatt" ist der Name des Projekts, und bei der Fördersumme ist man leicht geneigt, auch an eben solches Filzwerk in der Politik des grünen Umweltministers in Hannover zu denken. Denn dass ein Projekt, das selbst nicht mehr als 60.000 Euro kostet, 40.000 Euro vom Land bekommt, ist stark. Mindestens ebenso stark ist, dass nicht einmal im Ansatz erkennbar wird, warum ein solches Projekt überhaupt gefördert wird. Denn den vom Land auferlegten Kriterien wird es erkennbar nicht gerecht. Einzig mögliche Schlussfolgerung: Hier wird gefördert, was der eigenen Klientel dient. Schön, dass man es dann wenigstens gleich bei seinem Namen nennt.
26.06.2016 - Ist es Zynismus oder war es bisher einfach nur Gleichgültigkeit? Wahrscheinlich beides, denn dass die Bemühungen von Stadt und Kreis in Kooperation mit Arbeitsagentur, Jobcenter und Landesschulbehörde zur Einrichtung einer Jugendarbeitsagentur zu diesem Zeitpunkt kommen, ist kein Zufall. Die heimische Wirtschaft sucht händeringend Fachkräfte, um ihre prallgefüllten Auftragsbücher fristgerecht abarbeiten zu können. Dass nun plötzlich in konzertierter Aktion eine Anlaufstelle für Jugendliche eingerichtet wird, ist daher nachvollziehbar. Nicht aber, dass dies nicht bereits zu Zeiten erfolgte, in denen die Schulabgänger ihrerseits auf Unterstützung gehofft hatten. Ihnen nun auch noch vorzuhalten, "unnötige Schleifen" doch künftig bitte sein zu lassen, ist vermessen.
18.06.2016 - Ob es einen Hauseigentümer gibt, der sich freiwillig ein grünes Plastikschild an sein frisch gebautes oder saniertes Haus hängen mag, sei mal dahingestellt. Aber dass Landrat Manfred Nahrstedt eine Auszeichnung vergibt, die deutlich macht "Hier leben gute Menschen!", ist mehr als grenzwertig. Denn in Wirklichkeit ist die Botschaft dieser Gesinnungspolitik eine andere. Sie lautet: Wer keine grüne Nummer hat, ist ein schlechter Mensch. Nahrstedt stellt damit jeden an den Pranger, der seinem Aufruf nicht folgen mag oder kann. Schließlich hat nicht jeder genug Bares in der Tasche, um schnell mal ein Haus zu sanieren. Mit seiner Politik folgt Nahrstedt aber einem inzwischen gängigen Muster: Wer nicht mehr weiter weiß, setzt auf Stimmungen.
11.04.2016 - Man muss kein Finanzgenie sein um zu verstehen, dass große Ausgaben ohne eigenes Geld nur mit hohen Schulden möglich sind. Die Stadt hat sich entschlossen, diesen Weg zu gehen und dafür jetzt auch grünes Licht aus Hannover bekommen. Das Land findet es in Ordnung, dass eine überschuldete Kommune 33 Millionen Euro ausgibt und dafür 22 Millionen Euro Schulden macht. Was man von dieser Art der "Finanzaufsicht" halten soll, ist das eine. Das andere ist, dass sich die Stadt mit dieser Schuldenpolitik auch noch als Motor in Sachen Bildung darstellt und angeblich den fürsorglichen Blick auf die nachwachsende Generation richtet. Das Gegenteil ist der Fall. Die geplanten Investitionen laufen auf Pump. Und zwar nachhaltig.
24.03.2016 - Das war's, nun ist er sie endlich los. Die Wut in Nahrstedts Bauch muss heftig gewesen sein, vor einem Jahr, als seine Kreisrätin sich erdreistete, gegen ihn als Kandidatin um das Landratsamt anzutreten. Zwar war zu dem Zeitpunkt noch Gesetz, dass Nahrstedt aus Altersgründen gar nicht mehr antreten durfte – das änderten seine Parteifreunde in Hannover erst Wochen später –, doch das hinderte ihn nicht daran, seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Denn nicht die fachlichen Qualifikationen seiner Kreisrätin waren es, die ihn bewogen, sich von ihr zu trennen, sondern ein allem Anschein nach nicht besonders stark ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Anders ist es nicht zu erklären, warum er eine von allen Seiten gelobte und geschätzte Mitarbeiterin aus dem Amt befördern ließ. Doch das ist nicht alles.
20.03.2016 - Es klingt bombastisch, und man ist geneigt, den Hut zu ziehen. 42 Millionen Euro – laut jüngsten Pressemitteilungen sogar 85 Millionen Euro – will die Stadt Lüneburg in den kommenden Jahren in die Hand nehmen und einen Bildungsfonds auflegen. Was auf den ersten Blick wie die rettende Einsicht in die dringend erforderliche Verbesserung der schulischen Ausbildung nachfolgender Generationen aussieht, ist in Wirklichkeit ein gigantisches Betrugsprojekt: Denn statt in Bildung investiert die Stadt lediglich in Gebäude. Was anderes dürfte sie auch gar nicht. Der sogenannte Bildungsfonds ist eine Investition in Fahrstühle, nicht in Köpfe.
11.03.2016 - Natürlich muss etwas getan werden, wenn Ortszentren nicht an einem schleichenden Einzelhandels-Tod zugrunde gehen sollen. Lüneburg ist da zum Glück fein raus. Noch. Denn auch in der Hansestadt sind seit langem Veränderungen spürbar, die sich durch Verdrängung kleiner Einzelhändler durch System- und Filialketten bemerkbar machen. Grund ist in diesem Fall einmal nicht die viel beklagte Internet-Konkurrenz, Grund sind häufig völlig überzogene Mietforderungen seitens der Immobilienbesitzer. Orte wie Dahlenburg, Amelinghausen oder Adendorf können davon allerdings nur träumen. Sie wären schon glücklich, wenn überhaupt mal ein Interessent am Ortsrand auftaucht. Nun bekommen sie auch noch Hilfe, die keiner gerufen hat.
27.02.2016 - War es die späte Rache für frühere Demütigungen und tiefgehende Verletzungen? Oder war es die Loslösung von einem Über-Ich, dessen die Lüneburger Grünen seit langem schon überdrüssig sind, weil sie das Gefühl haben, er sei nicht mehr einer von ihnen? Auf jeden Fall war es eins: die öffentliche Inszenierung der gewollten Erniedrigung von Andreas Meihsies. Des Mannes, der die Grünen über Jahre mit ungebremstem Einsatz und Ehrgeiz zur – wie Kritiker behaupten – willfährigen Mit-Regierungspartei unter der SPD gemacht hat. Dass die Grünen diesen Weg gewählt haben, zeigt, wie tief die Wunden sein müssen, die sich beide Lager in den vergangenen Jahren zugefügt haben.
21.02.2016 - Die Polizei "anpinkeln"? Nein, das will sicher keiner, denn sie ist die Letzte, die für den drastischen Anstieg der Haus- und Wohnungseinbrüche in der Region verantwortlich ist. Die Mitarbeiter um Lüneburgs Polizeichef Felgentreu geben alles, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, die zahlreichen Überstunden, immer wieder von der Polizeigewerkschaft beklagt, sind ein klares Indiz dafür. Aber sie sind auch ein eindeutiges Indiz für die chronische Unterbesetzung der Polizeiinspektion, und das schon seit Jahren – ein gefährliches Unterfangen, wie sich jetzt zeigt.

