header

Genial

25.05.2026 - Wenn es um Bildung geht, kennt die Politik seit Jahrzehnten nur ein Ziel: Es muss mehr dafür getan werden. Die Ergebnisse sind dennoch erschreckend, wie die PISA-Zahlen ebenfalls seit Jahren belegen. Umso vehementer fallen anschließend regelmäßig die Forderungen der Politik aus, insbesondere wenn Wahlen bevorstehen. In Lüneburg ist das nicht anders, wie der Rat in seiner jüngsten Sitzung bewies.

Hundert Millionen für den Bau einer Schule? Kein Problem, auch wenn es vermutlich noch deutlich teurer werden wird. Denn dass heute vorgenommene Kostenkalkulationen auch in zwölf Jahren, also dann, wenn die neue IGS Kreideberg fertig sein soll, noch Bestand haben, daran glaubt heute vermutlich nicht mal mehr die Verwaltung, die für die Kalkulation zuständig ist.

Macht aber nichts, denn keiner weiß, wer in zwölf Jahren im Rathaus das Sagen hat, weder im Rat noch in der Verwaltung. Beschlüsse für Projekte, die in weiter Ferne liegen, sind daher ein Geschenk für jeden Politiker – entweder, weil dann ohnehin keiner mehr weiß, was mal beschlossen wurde, oder weil man dann selbst längst raus ist aus der politischen Verantwortung. 

Besonderes Gewicht haben Beschlüsse über Schulprojekte aber vor Wahlen. Denn die Parteien, die in diesen Monaten bis zur Kommunalwahl im September sich mit ihren Info-Ständen und Spitzen-Kandidaten in den Fußgängerzonen zeigen müssen, wissen nur zu gut um die ungelösten Bildungs-Defizite und -Frustrationen der Bürger. Es macht sich dann gut, wenn man auf Beschlüsse verweisen kann, die das Dauer-Problem endlich beheben sollen – wenn auch erst in zwölf Jahren.

Dass die Entscheidung für den Neubau der IGS im Rat einstimmig getroffen wurde, verwundert ebenfalls nicht. Welche Fraktion traut sich schon, gegen mehr Bildung zu stimmen, auch wenn diese bislang außer Unmengen an Kosten keine besseren Ergebnisse hervorgebracht hat?

Genial ist die Entscheidung, die der Rat jetzt getroffen hat, trotzdem, denn entschieden wurde eigentlich nichts. Zum einen, weil noch gar nicht klar ist, was genau gebaut werden soll und zum anderen, ob die Stadt dann auch das nötige Geld dafür aufbringen kann. Kein Wunder also, dass alle Fraktionen gut damit leben können.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Millionen für die Bildung"

 

 

Kommentar schreiben