IHK: Wachstumsschwäche hält an – Unternehmen bevorzugen Ausland
Lüneburg, 17.07.2026 - Die Konjunktur in Nordostniedersachsen hellt sich zum Sommer zwar leicht auf, die Wachstumsschwäche hält jedoch an. Das zeigt die aktuelle Umfrage der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW). Danach steigt der IHK-Konjunkturklima-Indikator im zweiten Quartal 2026 von 79 auf 82 Punkte. Damit liegt er zwei Punkte unter dem niedersächsischen Wert und weiterhin deutlich unter der neutralen Marke von 100 Punkten. Die Gründe für die Wachstumsschwäche sind weiter die seit langem bekannten.
"Hohe Energie- und Arbeitskosten, Steuern und ausufernde Bürokratie nehmen den Unternehmen den Spielraum für Investitionen", sagt IHKLW-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert. Die Wirtschaft brauche jetzt schnelle Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Konjunktur helle sich zwar etwas auf, "von einem Aufschwung kann aber keine Rede sein".
Der leichte Anstieg des Indikators beruht vor allem auf einer besseren Bewertung der aktuellen Geschäftslage. 23 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut, 43 Prozent als befriedigend und 34 Prozent als schlecht. Der Blick nach vorn hat sich dagegen weiter eingetrübt: 37 Prozent erwarten schlechtere Geschäfte, 51 Prozent eine stabile Entwicklung und nur zwölf Prozent eine Verbesserung. Der Saldo der Geschäftserwartungen sinkt auf minus 26 Punkte. Auch bei Investitionen und Personalplanung überwiegt die Zurückhaltung, so die IHK.
"Jedes dritte Unternehmen bewertet die aktuelle Lage als schlecht und nur jeder achte Betrieb rechnet mit besseren Geschäften", sagt Zeinert. "Das ist ein deutlicher Weckruf. Ohne bessere Standortbedingungen wird aus der leichten Aufhellung kein nachhaltiger Aufschwung."
◼︎ Personalabbau im Inland, Investitionen im Ausland
In der Industrie steigt der Klimaindikator um zwei Punkte auf 74 Punkte. Dazu tragen mehr Aufträge und bessere Exporterwartungen bei. Gleichzeitig sehen international tätige Betriebe die hohen Kosten in Deutschland als Wettbewerbsnachteil. Sie planen, im Inland Personal abzubauen, während sie ihre Investitionen im Ausland ausweiten wollen. Der Einzelhandel verbessert sich um fünf auf 83 Punkte, rechnet aber ebenfalls mit sinkenden Beschäftigtenzahlen. Die Dienstleister legen leicht auf 87 Punkte zu, der Großhandel stagniert bei 73 Punkten.
Als größtes Risiko nennen 65 Prozent der Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, drei Prozentpunkte mehr als im Vorquartal. Es folgen die schwache Inlandsnachfrage mit 59 Prozent, hohe Energie- und Rohstoffpreise mit 51 Prozent, steigende Arbeitskosten mit 50 Prozent und der Fachkräftemangel mit 39 Prozent.
◼︎ "Angekündigte Flexibilisierung der Arbeitszeit darf nicht aufgeschoben werden"
Die IHK Lüneburg-Wolfsburg fordert deshalb, die angekündigten Reformen schnell und unbürokratisch umzusetzen. Nachbesserungsbedarf sieht Zeinert insbesondere bei der Arbeitszeit und der Steuerpolitik: „Die im Koalitionsvertrag angekündigte Flexibilisierung der Arbeitszeit darf nicht aufgeschoben werden. Ebenso falsch wären zusätzliche Steuerbelastungen in einer Phase, in der die Wirtschaft kaum wächst. Gerade mittelständische Personengesellschaften und Familienunternehmen brauchen mehr Freiraum, um vor Ort investieren, beschäftigen und ausbilden zu können.”
An der Umfrage haben sich im Juni und Juli 400 Unternehmen aus den Landkreisen Harburg, Heidekreis, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen und Celle beteiligt.

