05.05.2026 - Er kann's nicht lassen. Dreißig Jahre war Ulrich Mädge Oberbürgermeister von Lüneburg, hat die Stadt geformt und in vielen Punkten vorangebracht, hat Gelder eingesammelt, Projekte gestemmt, Allianzen für seine Ziele geschmiedet und sich mit Widersachern auch mal angelegt. Und nun will der 75-Jährige wieder ins Rathaus zurück. Dieses Mal nicht als Chef der Verwaltung, sondern als dessen kritischer Begleiter und Kontrolleur. Für Lüneburg kann das nur von Vorteil sein.
Viel ist in den Jahren, seit Claudia Kalisch Oberbürgermeisterin ist, in Lüneburg nicht passiert – von neuen Fahrradstraßen und weggefallenen Auto-Parkplätzen mal abgesehen. Stattdessen schmückt sie sich auch gern mal mit Projekten, die noch von Ulrich Mädge auf den Weg gebracht wurden. Das lässt sich nicht immer verhindern, denn Projekte sind nun mal nicht immer genau dann fertig, wenn eine Amtszeit endet.
Doch Kalisch fiel auch dadurch auf, dass sie oft dann nicht in Erscheinung trat, wo sie eigentlich hätte sein müssen: da, wo es Probleme gab, etwa bei den Heizkostenabrechnungen von Avacon in Kaltenmoor oder bei der mehrmonatigen Sperrung des Platzes Am Sande für den Busverkehr wegen ein paar Rohrverlegungen in der Roten Straße. Pendler waren erzürnt, Einzelhändler mussten massive Umsatzeinbußen hinnehmen. Ulrich Mädge hätte manches Problem gar nicht erst zum Problem werden lassen, und wenn es dann doch mal brenzlig wurde, stand er mit Sicherheit ganz vorn.
Nun kandidiert Mädge zwar nicht wieder für den OB-Sessel – altersbedingt geht das auch nicht mehr –, aber für den Stadtrat dürfte er auch so wertvoll sein. Denn Mädge weiß nicht nur, wie das Rathaus tickt, er weiß auch, wie Politik gemacht wird und was gute Politik bewegen kann. Sei es im Rat selbst, wenn taktische Mehrheiten gefunden werden müssen, oder außerhalb von Lüneburg, wo der gewiefte Parteistratege noch immer über hilfreiche Kontakte verfügt.
Von besonderem Wert aber dürfte Mädges ausgeprägte Sachkenntnis und Hartnäckigkeit sein. Vorlagen, die aus dem Rathaus kommen, wird er gründlichst sezieren und auf Plausibilität, Sinnhaftigkeit und Finanzierbarkeit prüfen und die Verwaltung entsprechend nerven. Er wird also das tun, wofür der Rat da ist und was in den letzten vier Jahren allzu oft nicht gemacht wurde: Kontrolle ausüben.
Kritiker wenden gern ein, es sei kein guter Stil, als Alt-OB nochmal in die Tagespolitik einzutauchen. Da ist was dran, denn irgendwann muss man auch mal loslassen und andere machen lassen. Doch Stilfragen helfen nicht unbedingt weiter, wenn Tatkraft gefordert ist. Und Lüneburg kann es nur guttun, wenn wieder jemand dabei ist, der auch was davon versteht, wofür er gewählt wurde.
Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "SPD geht mit 56 Kandidaten ins Rennen – und Alt-OB"

