Umjubelter Auftritt von Alice Weidel bei AfD-Veranstaltung im "Bleckeder Haus"
Bleckede, 10.09.2026 - Abschlussveranstaltungen sind traditionell ein beliebter Weg, die eigene Wählerschaft vor einer Wahl noch einmal richtig zu mobilisieren und Zuversicht für die eigenen Erfolgsaussichten zu verbreiten. Doch nicht immer stellt sich der erhoffte Effekt ein, oft dann nicht, wenn Spitzenpolitiker aus Berlin anreisen. Anders gestern in Bleckede. Dorthin hatte sich die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel auf den Weg gemacht. Bei der Veranstaltung des AfD-Kreisverband Lüneburg zum Abschluss seines Kommunalwahlkampfs flogen ihr die Herzen nur so zu.
Frenetischer Jubel brach aus, als kurz nach 18 Uhr der AfD-Kreisverbandsvorsitzende Stephan Bothe zusammen mit Alice Weidel die Bühne im Saal des Veranstaltungshauses "Bleckeder Haus" betrat und die Co-Vorsitzende vor den rund fünfhundert Teilnehmern willkommen hieß. Dieser Jubel brandete auch immer wieder auf, als Weidel eine Viertelstunde später ans Rednerpult trat und dem Saal ihre zumeist bekannten politischen Botschaften und Positionen überbrachte.
Doch anders als im Bundestag, wo Weidel am Morgen noch mit der Regierung Merz abgerechnet hatte und dabei wie gewohnt heftig austeilte, wurden hier gänzlich andere Töne angeschlagen. Eher familiär wandte sich die AfD-Chefin den Gästen zu, sprach von Rückkehr in ihre alte Heimat und von Gefühlen, die sie mit Niedersachsen verbindet. Diese Gefühle sollte auch das Einstimm-Video zu Beginn des Abends vermitteln, bei dem es aber erst beim zweiten Versuch auch mit dem Ton klappte.
◼︎ Geschmeidiger als im Bundestag
Weidel sprach von "Ihr" und "Euch" und meinte damit nicht nur die vor ihr sitzenden AfD-Kandidaten, sondern das gesamte Publikum – mit Ausnahme natürlich der "Lügenpresse", wie Stephan Bothe die zuhauf anwesenden Medienvertreter nannte. Das Verbrüdernde empfanden die meisten aber alles andere als übergriffig, im Gegenteil: Immer, wenn sie direkt angesprochen wurden, war die zustimmende Resonanz groß. So etwa, als Weidel davon sprach, eine Einheitssteuer in Höhe von 25 Prozent einzuführen und dazu ins Publikum fragte: "Wollt Ihr das?" und darauf ein begeistertes "Ja!!!" aus dem Saal zurückschallte.
Und natürlich gab es lautstarken Applaus bei ihren weiteren Punkten, die Weidel wie schon zuvor im Bundestag auch in Bleckede präsentierte, darunter die Migrationspolitik – "Wir werden die Grenzen schließen!" – oder die hohen Energiepreise, die sie dem "räuberischen Staat" anlastet "und für die Ihr bluten müsst".
Weidel wiederholte auch die umstrittene Äußerung "Wir holen uns unser Land zurück" des früheren AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland. Aber, und das war dann doch das Neue an diesem Abend, versuchte Weidel sich auch mit Annäherungstönen. Es gelte, die "gesellschaftlichen Gräben" zu überwinden, "wir müssen unbedingt wieder miteinander sprechen". Denn nur so sei es noch möglich, das Land mit seinen horrenden Schulden und die Kommunen vor Ort vor der drohenden Pleite zu retten, die aus Sicht von Weidel durch die von Schwarz-Rot und den Vorgänger-Regierungen herbeigeführte Deindustrialisierung und den damit verbundenen Steuerausfällen immer näher rücke.
◼︎ Kritiker mussten draußen bleiben
Dass Weidel für all das bejubelt wurde, war indes wenig verwunderlich, schließlich war der mit fünfhundert Personen vollbesetzte Saal – etwa dieselbe Anzahl musste draußen bleiben – mit handverlesenem Publikum gefüllt. Die AfD hatte sich vorbehalten, selbst zu entscheiden, mit wem sie den Abend feiern wollte.
Kritiker und Gegner der AfD hatten sich dennoch eingefunden, viele Hundert Demonstranten durften ihren Unmut in einem von der Polizei hermetisch abgeriegelten Bereich äußern, was sie auch lautstark taten. Zu Störungen der Veranstaltung kam es dennoch nicht, die Polizei war laut ihrem Pressesprecher Kai Richter mit "mehr als zweihundert Einsatzbeamten" anwesend, darunter auch Teile der Einsatzhundertschaften aus Lüneburg und Braunschweig. Schon weit vor dem Veranstaltungsgelände wurde kontrolliert und abgeriegelt, wer um 17 Uhr noch Einlass begehrte, wurde schon dort von der Polizei abgewiesen.
◼︎ Bothe will Wahlergebnis anfechten
Auf die umstrittene Entscheidung des Wahlausschusses des Landkreises Lüneburg ging Weidel zum Schluss dann auch noch kurz ein. Dies zeige, "wie sehr die Nerven blank liegen", so Weidel mit Blick auf die politische Konkurrenz. Und Stephan Bothe, dem die Kandidatur für das Amt des Landrats untersagt worden war, kündigte an dem Abend an, das Wahlergebnis anzufechten. "Und dann machen wir in zwei Jahren einen erfolgreichen Landrats-Wahlkampf", versprach der Amelinghausener.
Bei Weidel kam die kämpferische Stimmung in Bleckede sichtlich gut an. Nach gut einer halben Stunde beendete sie ihre Rede mit dem Versprechen "Alles ist möglich!", was nicht nur auf einen möglichen Landrat Bothe gemünzt war, sondern nach dem Wahlsieg in Sachsen-Anhalt auf die Perspektiven im Bund generell. Dann stellte sie sich für Selfies mit den Saal-Gästen zur Verfügung. Vorab gab es noch eine Flasche Champagner für Bothe anlässlich dessen Geburtstag am Tag zuvor. "Davon gibt's aber nur eine, die ist teuer", versicherte Weidel mit mahnendem Zeigefinger.
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