Kirchenkreis Lüneburg beschließt Klimaschutzkonzept
Lüneburg, 14.07.2026 - Neutralität war noch nie das Kernmerkmal deutscher Kirchen, schon gar nicht der evangelischen. Wenn es darum geht, gesellschaftlich Positionen zu besetzen und Zeichen zu setzen, ist sie stets ganz vorn dabei – etwa mit der Forderung einer Sonderabgabe für Vermögende während der Corona-Pandemie oder mit dem Kauf eines Flüchtlingsschiffs im Mittelmeer oder zuletzt mit ihrem Bekenntnis zu Tempo 110 auf Autobahnen. Aus Lüneburg kommt jetzt ein neues Zeichen, dieses Mal sogar mit echtem Neutralitätsgehalt: Der hiesige Kirchenkreis will bis 2040 klimaneutral werden.
Aus "theologischer Überzeugung und als Antwort auf den Klimawandel" habe man sich zu einem institutionellen Klimaschutzkonzept verpflichtet, teilte der Kirchenkreis Lüneburg mit. "Gott hat die Erde dem Menschen zur Pflege anvertraut, mit dem Auftrag, sie zu bebauen und zu bewahren. Die Nutzung und Bewahrung der Schöpfung gehören somit zusammen. Dieses Gleichgewicht ist heute gestört", heißt es in der Präambel des Konzepts. Darin bekenne man sich "klar zu Verzicht sowie zur Verantwortung für ein nachhaltiges Leben".
Mit dem neuen Klimaschutzkonzept folgt der Kirchenkreis dem Klimaschutzgesetz der Landeskirche Hannovers von 2023. Allerdinngs mit nicht geringem Unterschied. "Die Landeskirche hat sich für die Treibhausgasneutralität das Jahr 2045 als Ziel gesetzt, wir 2040", erklärt Frank Hensel, Klimaschutzmanager im Kirchenkreis. Auf der Sitzung der Synode im Juni haben die Mitglieder aus allen 26 Gemeinden das Konzept mehrheitlich verabschiedet. Es gliedert sich in die Bereiche Energie, Mobilität, Land und Strom. Klimaschutz soll bei allen Entscheidungen des Kirchenkreises als übergeordnetes Ziel mitgedacht werden.
Nachfragen gab es von den Synodalen unter anderem beim Thema Arbeitsaufkommen für Ehrenamtliche und wie bei weiten Wegen in immer großflächigeren Kirchengemeinden die Nachhaltigkeit im Bereich Mobilität umgesetzt werden könne. Frank Hensel betont: "Wir schauen, wie wir alle mitnehmen und den Prozess gut steuern können. Wir wollen Erfahrungen sammeln und haben Themen und Beteiligte im Blick." Manches könne neu gedacht werden, manches müsse kompensiert werden. Auch ein Ausschuss für Klimaschutz wurde gegründet. Ihm obliegt die Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes mit der Erarbeitung von Maßnahmen und Beschlussvorlagen.
◼︎ Einsparungen vor allem im Gebäudebereich
Bis zu 80 Prozent Energie könnten allein schon durch Maßnahmen an Gebäuden eingespart werden, ist der Kirchenkreis überzeugt. Darunter Solaranlagen auf Kirchendächern oder auch vernünftige Wärmedämmung. Jährlich soll ein Bericht an die Kirchenkreissynode zum Stand der Zielerreichung gehen.
"Es ist eine von außen gesetzte Pflichtaufgabe und für uns auch eine Selbstverpflichtung. Für die Erde, die uns nicht gehört, uns aber anvertraut ist, wollen wir uns hier vor Ort stark machen – und das wird sich auf viele Bereichen unserer kirchlichen Arbeit auswirken", sagt Superintendent Christian Stasch. Das komplette Klimaschutzkonzept ist zu finden auf der Internetseite des Kirchenkreises.

