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Es rechnet sich nicht

Warum Lüneburg kein Interesse an den Hochhäusern in Kaltenmoor hat

Die Hochhäuser an der Theodor-Heuss-Straße in Kaltenmoor sind stark sanierungsbedürftig. Foto: Stadt LüneburgLüneburg, 21.02.2025 - Alt-Immobilien, vor allem solche, die während der Wohnungskrise in den sechziger Jahren als Wohnsilos massenhaft in Deutschland hochgezogen wurden, bereiten ihren Besitzern schon lange keine Freude mehr. Prominentes Lüneburger Beispiel sind die Hochhäuser in Kaltenmoor. Während einige bereits mit großem Aufwand saniert wurden, verschlechtert sich bei anderen der Zustand zusehends. In der Kritik stehen insbesondere die Immobilien von Vonovia. Weil hier kürzlich Mauerteile aus der Fassde fielen, ordnete die Stadtverwaltung Sicherungsmaßnahmen an. Der Vorfall zeigt aber ein grundsätzliches Problem auf.

Lange schon sind die Vonovia-Hochhäuser an der Theodor-Heuss-Straße den städtischen Baukontrolleuren ein Dorn im Auge. Nun wurde bei einer Begehung akuter Handlungsbedarf bei einer seit längerem schadhaften Stelle im Verblendmauerwerk eines der Hochhäuser festgestellt. Dort hatten sich Mauerteile gelöst und waren heruntergefallen.

Die Stadtverwaltung ordnete daraufhin Sicherungsmaßnahmen an und forderte Vonovia auf, die notwendigen Sanierungen in ihren Lüneburger Wohnungsbeständen voranzutreiben. Zudem wurde das Unternehmen aufgefordert, ein Sanierungskonzept zu erstellen – mit entsprechenden Fristen und Zwangsgeldern, wie es in solchen Fällen üblich ist. Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch erklärte zudem: "Wir werden alle uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel ausschöpfen, um den Druck auf Vonovia weiter zu erhöhen."

◼︎ Stadt fehlen die Druckmittel 

Doch den starken Worten der Oberbürgermeisterin dürfte nicht viel folgen. Denn der Druck, den die Stadt ausüben kann, ist begrenzt. Er reduziert sich auf die Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht, was nicht mehr bedeutet, als dass von einem Objekt keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgehen darf. Schlechte Isolierung, nicht funktionierende Fahrstühle, kaputte Briefkästen oder Schimmelbildung an Wänden – all diese Punkte, die immer wieder von den Vonovia-Mietern beanstandet werden, sind davon nicht betroffen. Sie obliegen der Einschätzung des Eigentümers, der gegebenenfalls in Kauf nehmen muss, keine Mieter für seine Wohnungen zu finden. 

◼︎ "Wirtschaftlich nicht umsetzbar" 

Damit aber zeigt sich das Problem, dem Immobilienbesitzer wie Vonovia und deren Mieter gleichermaßen ausgesetzt sind. Denn eine Immobilie auf dem Wohnungsmarkt ist ein Produkt, das sich wie andere auf dem freien Markt behaupten muss. Hierbei gilt: Anfallende Kosten dürfen die Erlöse nicht übersteigen. Andernfalls droht früher oder später die Insolvenz. 

Dies scheint auch bei Claudia Kalisch angekommen zu sein. Zwar hatte sie 2023 noch Gespräche über einen Kauf der Immobilien mit Vonovia aufgenommen, doch schnell machte sich im Rathaus Ernüchterung breit: Nach Gesprächen mit dem Unternehmen war klar, dass "weder der Kauf noch die dringend notwendige Sanierung wirtschaftlich für die Stadt umsetzbar ist", teilte das Rathaus mit. Vom Kauf der sanierungsbedürftigen Wohnbestände rate man deshalb ab. 

Im Rat der Stadt stieß diese Entscheidung auf Zustimmung, auch wenn es weiterhin Stimmen für den Erwerb der Vonovia-Immobilien gibt, vor allem seitens der SPD. 

 

 

 

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