Wie wird Deutschland auf die neue Lage in Syrien reagieren? – Ein mögliches Szenario
08.12.2024 - "Er freue sich über den Sturz Assads." Mit diesen Worten zitiert "Welt-TV" Bundeskanzler Olaf Scholz zu dessen Reaktion auf die Flucht des bisherigen syrischen Staatspräsidenten und die neue Lage im Nahen Osten. Dies überrascht, denn schnelle Reaktionen war man von Deutschlands Abruf-Kanzler bislang nicht gewohnt. Doch was bedeutet die syrische Zeitenwende jetzt für Deutschland?
Seit Jahren nimmt Deutschland Syrier auf, die ihr Land aus Furcht vor Verfolgung verlassen haben. Rund eine Million syrische Flüchtlinge leben derzeit hier, die, sollte sich die Situation in ihrem Heimatland jetzt stabilisieren, wieder zurückkehren könnten. Ob es dazu kommt, ist bislang noch ungewiss.
Realistischer aber scheint, dass sich nun neue Flüchtlinge auf den Weg machen, wieder Menschen, die ihr Land aus Angst vor Verfolgung verlassen. Doch dieses Mal dürften es diejenigen sein, die das menschenverachtende System Assads mit getragen und beschützt haben und die – so wird jedenfalls zumeist behauptet – der Grund waren für die Flucht der hier in Deutschland lebenden Syrer.
Daher wird es spannend werden zu erfahren, wie Deutschland mit dieser Situation umgehen wird. Wird es Assads Schergen, die klug genug sein dürften, ihre Pässe auf der Flucht rechtzeitig wegzuwerfen, wieder mit offenen Armen empfangen? Auszuschließen ist dies zumindest bei den immer noch existierenden Willkommens-Initiativen im Land nicht. Dann aber dürfte sich der bisherige syrische Bürgerkrieg stellvertretend in Deutschland fortsetzen. Denn ohne Konflikte und massive Auseinandersetzungen wird ein solches Zusammentreffen zwischen den verfeindeten Landsleuten sicher nicht abgehen.
Vielleicht wird die neue Situation aber auch à la Scholz gelöst. So könnte er die hier lebenden Syrer mit der Lufthansa nach Hause fliegen und die neuen Flüchtlinge auf dem Rückflug gleich mitnehmen. Das reduziert nicht nur Konflikte im eigenen Land, es schützt auch vor weiteren Mittelmeer-Toten, schadet den Schlepper-Organisationen und nützt der eigenen Glaubwürdikeit. Schließlich könnte Scholz so endlich sein Versprechen einlösen und "im großen Stil abschieben".