Die FOCUS-Kolumne: Nicht die Jungen, die Alten sind das Bollwerk der Demokratie
19.10.2024 - Die "Boomer-"Generation hat in Deutschland, zumindest in den meisten deutschen Medien, keinen guten Ruf. Das Bild, das von ihnen gezeichnet wird, kennt in der Regel nur einen Anstrich: alt, weiß, männlich, noch dazu Rentner, die den Jüngeren noch für die nächsten zwanzig bis dreißig Jahre auf der Tasche liegen. Hinzu kommt, dass sie durch ihr Ausscheiden aus dem Berufsleben für den Fachkräftemangel verantwortlich sind, womit auch die konfliktbeladene Zuwanderung auf ihr Konto geht. Kurzum: Die Boomer braucht kein Mensch. In seiner aktuellen FOCUS-Kolumne kommt Jan Fleischhauer zu einem anderen Ergebnis.
"Es wird viel über das demografische Übergewicht der Boomer geklagt", schreibt Fleischhauer bei seiner Betrachtung, wie die Generation, die zwischen 1950 und 1965 geboren wurde, von den Medien wahrgenommen wird. Anders als diese aber findet der FOCUS-Kolumnist die Boomer-Stärke nicht schlecht: "Ich kann nur sagen: Gut, dass sie und nicht die Generation Z die Mehrheit stellen. Wäre es andersherum, müsste man sich um die Demokratie wirklich Sorgen machen."
Fest macht Fleischhauer seine Einschätzung unter anderem an den letzten Wahlergebnissen: "In keiner Altersgruppe schneiden Weidel und ihre Leute so schlecht ab wie bei der Gruppe 65 plus. Gäbe es die Alten nicht, die AfD läge bundesweit über 20 Prozent." Fleischhauer führt diese Einstellung darauf zurück, dass die Vertreter der alten Bundesrepublik noch "eine ordentliche Portion Antifa-Schluckimpfung" bekommen hätten, die bis heute nachwirke. Daher sei es auch kein Zufall, dass sie auch dann weiter zusammenstünden, "wenn es darum geht, die republikanischen Werte zu verteidigen".
Heute hingegen wüssten die jungen Menschen nicht mal mehr zu sagen, was der Holocaust war. "40 Prozent der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren antworten auf die Frage, was ihnen dazu einfällt, mit einem Fragezeichen." Und Fleischhauer wäre nicht Fleischhauer, wenn er nicht auch Fridays for Future, die in der Boomer-Generation gern den Kern allen Übels sieht, noch gleich mit aufs Korn nimmt. Über deren Vorzeige-Jammerin Luisa Neubauer schreibt er: "Unter allen Heimsuchungen, die einem der Wind des Netzes in die Timeline weht, ist sie eine der größten. Die Mischung aus Besserwisserei, Höhere-Töchter-Haltung und Kosmo-Kauderwelsch ist einzigartig – und auch einzigartig nervig."
Wer Freude an klaren Gedanken und offenen Worten hat, dem sei auch die aktuelle FOCUS-Kolumne wieder empfohlen. Viel Vergnügen!