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Überflüssige Rituale

21.01.2026 - Schriller können Gegensätze kaum sein. Während am Morgen in Lüneburg noch ein paar Dutzend Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes, angetrieben durch ihre Gewerkschaft Verdi, mit Warnwesten und Trillerpfeifen für sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 300 Euro streikten, stehen ihre Kollegen aus dem produktiven und wertschöpfenden Bereich vor dem Aus, nachdem Yanfeng tags zuvor erklärt hatte, sein Werk in Lüneburg dicht zu machen. Ein bizarres Bild, das zeigt, dass viele immer noch nicht verstanden haben, was die Stunde geschlagen hat.

Zu hohe Lohnkosten, zu hohe Energiekosten, zu hohe Bürokratiekosten, zu lange Entscheidungswege, zu viele Vorgaben durch Brandschutzauflagen und Gender-Beauftragte, zu viel Work-Life-Balance und zu wenig Flexibilität in der Wochenarbeitszeit – dass Unternehmen davon die Nase voll haben und lieber dahin auswandern, wo sie zumutbarere Bedingungen vorfinden, verwundert nur noch Wenige.

Unter ihnen die Gewerkschaften. Völlig unbeeindruckt von der wirtschaftlichen Notlage, die das Land inzwischen seit Jahren drückt, glauben die Verdi-Vasallen, damit nichts zu tun zu haben. Nicht wirtschaftliche Prosperität ist für sie die Messlatte ihrer Forderungen, sondern Tarif-Rituale aus Zeiten, als Lohnzuwachs in Deutschland noch durch Produktivitätzuwachs statt durch Sondervermögen zustande kam. 

Und die Oberbürgermeisterin? Sie scheint sich inzwischen mit dem Standortproblem Lüneburg abgefunden zu haben. Anders sind ihre immergleichen Antworten auf die Schließungs-Ankündigungen der Unternehmen nicht zu erklären. Das sind Trauer-Rituale, die ebenso wenig helfen wie die vom Rathaus eingeforderten Gesprächs-Runden, die auch bis heute nichts gebracht haben.

Klar: Für Vieles, warum Unternehmen Lüneburg verlassen, kann die Stadt nichts, dafür sind zuvorderst Bund und Land verantwortlich. Zu fragen ist dennoch, ob Lüneburg auch selbst genug getan hat, die Unternehmen in der Stadt zu halten. Schließlich haben auch Politik und Verwaltung Hebel in der Hand, Lüneburg als Wirtschaftsstandort attraktiv zu halten – oder auch nicht. Es ist höchste Zeit, dass hierzu positive Signale kommen, bevor noch mehr Unternehmen das Licht ausknipsen.

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Nun geht auch Yanfeng"

 

 

 

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