Beatrix von Storch rechnet beim Neujahrsempfang der AfD mit der Bundesregierung ab
Bleckede, 31.01.2026 - Für die einen unerträglich, für die anderen die große Hoffnung: die AfD. Wie sehr die Partei polarisieren kann, zeigte sich auch gestern Abend wieder. Der Lüneburger Kreisverband hatte zum Neujahrsempfang ins Bleckeder Haus eingeladen und durfte sich über reichlich Zuspruch freuen – knapp 300 Gäste drinnen und rund 600 Demonstranten draußen. Der Unterschied: Im Saal war die Stimmung deutlich besser. Auslöser war Beatrix von Storch. Der aus Berlin mit dem Zug angereiste prominente Gast hatte sich zwar um eine gute Stunde verspätet, den Saal dann aber trotzdem voll im Griff.
"Wir werden das ändern!" Dieses Versprechen, zugleich das Schlusswort ihrer rund 40-minütigen Rede, für die Beatrix von Storch Jubelrufe und stehenden Applaus bekam, war der rote Faden, den die Bundestagsabgeordnete unter ihren Auftritt gelegt hatte. Dieser war – anders, als manch einer vielleicht erwartet hatte – kein donnerndes Keilen von der Kanzel gegen den politischen Gegner, sondern ebenso humorvolles wie ironisches, aber auch mit klaren Botschaften gefüttertes Abrechnen mit Verfehlungen der Bundespolitik, zumindest aus ihrer Sicht.
Dabei reichten ihr wenige Themen, um den Saal einzufangen. Den Einstieg schaffte sie mit dem Rückblick auf ihren Auftritt bei "Markus Lanz" im ZDF, wo in der Sendung zuvor Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) noch das Verbot von Social Media und unliebsamer Online-Medien in den Raum gestellt hatte, angeblich, um die Meinungsfreiheit zu schützen. Weil er dafür bundesweit heftig kritisiert wurde, nahm nicht nur Günther davon wieder Abstand, auch Markus Lanz selbst wollte die Botschaft so nicht gehört haben. Für von Storch ein typisches Verhalten der Öffentlich-Rechtlichen, deren "Deutungshoheit" ohnehin längst Geschichte sei. Und doch hätten Sendungen wie die von "Lanz" auch "etwas Gutes: die Glaubwürdigkeit geht nochmal richtig runter!" – Applaus!
Immer wieder gab es auch kräftigen Applaus, als von Storch die Schuldenpolitik der Bundesregierung anprangerte, deutlich machte, dass allein die jährliche Zinslast dafür inzwischen bei 60 Milliarden Euro liegt und wohl noch weiter steigen wird. "Das ist alles irrsinnig!" Jubelnde Zustimmung brach los, als von Storch das Einstellen von Zahlungen an NGOs und den Stopp von LGBTQ – "oder wie das auch immer heißt" – Förderprojekten wie "Pride-Paraden" im Ausland forderte, während bei uns alles zusammenbreche: "Wir haben keinen einzigen Cent mehr in der Welt zu verschenken und zu verschwenden."
Kein gutes Haar ließ von Storch auch an der Wirtschaftspolitik: "Ein Euro Wachstum kostet uns drei Euro Schulden", rechnete von Storch vor. Auch die Energiepolitik laufe in die falsche Richtung: Deutschland schalte zwei Systeme ab und baue eine neue auf. "Wir zerstören eine funktionierende Energieversorgung." Und die Änderung des Grundgesetzes zur Abschaffung der Schuldenbremse noch nach der letzten Bundestagswahl bezeichnete sie als "Verfassungs-Putsch" und einen "Putsch gegen das Volk".
Auch die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung bekam ihren Senf ab: "Wir haben nicht das Problem, dass die, die arbeiten, zu wenig arbeiten, sondern dass es zu viele gibt, die gar nicht arbeiten." Die soziale Hängematte könne sich Deutschland nicht mehr leisten: "Wenn Du was willst, dann musst Du was tun", forderte von Storch und erntete erneut viel Zuspruch.
Bemerkenswert war auch, wozu von Storch nichts sagte: Den Ukraine-Krieg, Trumps Zoll-Drohungen, den Grönland-Konflikt, das Mercosur-Abkommen, die Wehrpflicht – all' die Themen, bei denen die AfD mit ihren Positionen nicht auf breite Zustimmung rechnen kann, wurden besser weggelassen. Warum damit auch die Stimmung kaputtmachen?
◼︎ Kampf gegen Pädophile
Bedenkliche Stimmung, aber ebensoviel Zustimmung gab es für Vanessa Behrendt. Die AfD-Landtagsabgeordnete sprach über die Pflicht des Staates, Kinder zu schützen, "doch genau das tut er nicht", beklagte Behrendt. Dabei richtete sie den Blick vor allem auf die Pädophilen, die noch immer viel zu freien Zugang zu Kindern hätten, "und das mit Wissen und Duldung des Staates". "Wir leben in einer Zeit, wo fremde Männer, die mal einen Wochenend-Kurs belegt haben, in unsere Kitas kommen und die Eltern es noch nicht einmal erfahren." Unerträglich sei auch, dass Broschüren herausgegeben werden zur Anleitung von Kindern zum Masturbieren. "Das ist eine Einladung für Pädophile!", klagte Behrendt an, die wegen kritischer Äußerungen zu diesem Thema sich demnächst vor Gericht verantworten muss.
Leider berichte die Presse "nie" über das Pädophilen-Problem, "und das wird sie auch dieses Mal wieder nicht", sagte Behrend mit Blick zur Pressebank, die auch gleich eine Aufforderung aus dem Publikum bekam: "Raus mit Euch!" So ganz unproblematisch scheint der Umgang der AfD-Fans mit der Meinungs- und Pressefreiheit offenbar dann doch nicht zu sein.
◼︎ Bothe kandidiert nun doch
Für eine halbe Überraschung sorgte schließlich noch der Gastgeber des Abends, der AfD-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Stephan Bothe. Er werde nur als Kandidat seiner Partei für die Landratswahl im September antreten. Das hatte er zwar auch vor ein paar Wochen durchblicken lassen, doch nun gab es auch das Votum des Kreisverbands. Was noch fehlt, ist die Zustimmung der Mitgliederversammlung. Seine Botschaft als Kandidat: "Rückabwicklung des politischen Irrsinns." Will heißen: keine Baugenehmigungen mehr für Windräder, Einforderung des Neutralitätsgebots in Schulen, Verbesserung des "Stadtbilds und des Dorfbilds". Hier habe Bundeskanzler Merz "ausnahmsweise mal recht".
Der angekündigte weitere Gastredner des Abends, der AfD-Landesvorsitzende Ansgar Schledde, hatte krankheitsbedingt abgesagt.




Bothes Äußerungen sind kein Beweis von Durchsetzungskraft, sondern von fehlender Glaubwürdigkeit. Versprechen, die mit dem angestrebten Amt nicht vereinbar sind, erzeugen bewusst falsche Erwartungen.
Kenntnis der eigenen Zuständigkeiten und Respekt vor dem Rechtsstaat sind Grundlagen dieses Amtes.
Es ist, dem Himmel sei Dank, noch nicht verboten, darüber nachzudenken, ob Herr Bothe es nicht besser wusste oder ob er seine Zuhörer bewusst getäuscht hat.
Ich hoffe, werte LG heute-Redaktion, dass auch Sie darüber noch aufklären werden.
Ist wohl leider ein Übertragungsfehler gewesen - aber das lässt mich rückschliessen, dass Sie mit der Benotung durch meine seligen Deutschlehrer durchaus betroffen sind.
Ich könnte nur dann „betroffen“ sein, wenn ich mit solchen Leuten in ihrem selbstverschuldet untergehenden Narrenschiff säße. — Aber das ist nicht der Fall.
Ich habe „den Linksextremismus nicht kleingeredet“, ich habe diesen nicht einmal erwähnt! Wissen Sie, was „Whataboutism“ ist? Schlagen Sie gerne mal im Brockhaus von 1938 nach.
Evtl. noch andere Literaturtipps aus dieser Zeit? Für mich als Historiker vielleicht aufschlussreich.
wo es bei AfD-Polikern von vornherin abgesprochen ist, wie man den AfD-Mann oder AfD-Frau ständig ins Wort fällt und diese nicht aussprechen lässt. Das ist dann keine Talk-Show, sondern ein manipuliertes Kasper-Theater nach dem Motto:"alle gegen die AfD". Selbst das klatschende Publikum ist ausgesucht und muß die Meinung der Redaktion mitspielen. Wenn wir wieder miteinander sprechen können, egal welche Meinung vertreten wird, können wir in eine großartige Zukunft schauen. Das geht aber nur mit der AfD !
Und was sind denn das bloß für „Freundeskreise“, die Sie abhalten, sich in ihnen frei und ungezwungen zu äußern? Müssten Sie die nicht richtiger Weise „Lauer-“ oder „Feindeskreise“ nennen?
Mir scheint, Herr Ripp, Ihr eigentliches Problem ist Ihre Rechthaberei, Ihre mangelnde Bereitschaft oder Unfähigkeit, mit Widerspruch und anderer Leute Meinungen umgehen zu können. Wenn Ihnen nachgewiesen wird, dass Sie Quatsch sabbeln, werfen Sie sich auf den Rücken, greinen - wie hier bei Herr Stüwe - in die öffentlich rechtlichen Kanäle und geben das Opferli der von Ihnen selbst erdichteten Verschwörungen. Gerade DIESES, IHR überall unter AfDlern zu findendes monotones, immergleiches Mutmaßungsgetrommel sollte Anlass für Sie sein, sich zu fragen, ob nicht SIE sich der antidemokratischen, die Meinungsfreiheit beschneidenden Untugenden schuldig machen, die SIE anderen unterstellen!
Bitte verraten Sie mir doch, wo ich nur eine einzige der „Umfragen“ finden kann, die Ihre Behauptung bestätigen.
Ihre „ehemalige DDR“ war eine menschenverachtende Diktatur reinsten Wassers. Wer dort nicht „linientreu“ redete, wurde von „Staatsorganen“ drangsaliert oder ins Gefängnis gesteckt. Wer das Land verlassen wollte, wurde ins Gefängnis gesteckt oder an der Grenze erschossen.
Und „man darf in Deutschland nicht mehr sagen, was man möchte“?
Was für ein Quatsch: Die Stadt Bleckede hat Ihrer in großen Teilen als rechtsextrem geltenden Partei ihre Veranstaltung ermöglicht. Dort konnten Sie und die Ihren und hier, in Herrn Stüwes Kommentarpalte, können Sie Ihre Unwahrheiten mit uneingeschränkter rechtsstaatlicher Freiheit weiter verbreiten. — Ist Ihnen das entgangen?
Würden deine Aussagen sich im Reich des Faktischen bewegen, könnte man sich glatt ernsthaft damit auseinandersetzen. So ist es einfach nur irgendwas Unterhaltsames, was im Zweifel unter Kunstfreiheit fällt. Bitte mit dem nächsten Beitrag warten, bis ich Popcorn geholt habe!