"Neue Sülze" soll dauerhaft für den Durchgangsverkehr gesperrt werden
Lüneburg, 16.04.2026 - Die Straße "Neue Sülze" ist seit Jahren für den Durchgangsverkehr gesperrt. Dass dennoch gelegentlich Autofahrer unberechtigt dort durchfahren, kann man beklagen, ist aber Alltag wie andernorts auch. Statt aber dort häufiger zu kontrollieren, soll nun mit versenkbaren Pollern die Durchfahrt verhindert werden – eine nicht ganz neue Idee aus dem Jahr 1990. Die Grün-geführte Stadtverwaltung greift diese Idee nun auf, weil sie eigene Interessen verfolgt: Sie will dort eine weitere Fahrradstraße für ihren großräumigen Fahrradring einrichten.
Mit der Polleranlage soll der Bereich der Straße "Neue Sülze" sowie der Abschnitt "Auf der Altstadt" grundlegend erneuert und fahrradgerecht ausgebaut werden, teilt die Stadtverwaltung mit. Auch eine Ladezone soll gebaut werden. Ziel sei es, durch die Polleranlage als sogenanntem "Modalfilter" den täglichen irregulären Durchgangsverkehr zu verhindern. Damit soll die Verkehrssicherheit erhöht und durch die Verkehrsberuhigung die Aufenthalts- und Wohnqualität in dem Areal deutlich verbessert werden.
"Ein gut funktionierendes Pollersystem macht unsere Innenstadt attraktiver und sicherer", sagt Lüneburgs Verkehrsdezernent Markus Moßmann. Während berechtigte Verkehre wie Rettungsfahrzeuge, Pflegedienste, Lieferverkehr, ÖPNV, Taxen und Anwohner passieren können, werde unzulässiger Verkehr verhindert. Durch Absenkung der Poller werde auch der allgemeine Verkehr während der zugelassenen Zeiten (19 bis 3 Uhr) passieren können. Dadurch, so die Verwaltung, könne der Radverkehr sicherer auf der Fahrbahn geführt werden, auch entstehe mehr Raum und Sicherheit für alle, die zu Fuß in der Innenstadt unterwegs sind. Im Zuge der Baumaßnahme soll auch die Haltestelle "Neue Sülze" barrierefrei ausgebaut werden.
Die Maßnahme wird mit bis zu 90 Prozent aus Bundesmitteln gefördert, der Rest kommt aus den eigenen Kassen, die ja bekanntlich leer sind. Die Politik kümmert das offenbar nicht, laut Verwaltung hat sie die Pläne zur Umgestaltung im Verwaltungsausschuss einstimmig beschlossen.
◼︎ Umbau erfolgt in zwei Phasen
Die Bauarbeiten starten am 27. April und sollen voraussichtlich bis Ende Juli dauern. Gebaut wird in zwei Abschnitten, um die Auswirkungen auf den Verkehr so gering wie möglich zu halten. Während dieser Zeit wird der jeweils betroffene Bauabschnitt vollständig für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Zu Fuß und mit dem Fahrrad schiebend kann die Baustelle passiert werden.
Im ersten Bauabschnitt gesperrt ist der Bereich ab der Ausfahrt des Q-Park City Parkhauses bis zur Straße "Auf der Altstadt". Die Salzstraße ist dann über Auf der Rübekuhle/Auf der Altstadt erreichbar. Das Parkhaus Vierorten ist in der Zeit weiterhin von der "Neuen Sülze" aus erreichbar; die Ausfahrt ist jedoch nur über "Auf der Altstadt" möglich. Der ÖPNV wird umgeleitet, einige Haltestellen werden vorübergehend verlegt oder aufgehoben.
Während des zweiten Bauabschnitts ist der Bereich "Auf der Altstadt" zwischen "Auf der Rübekuhle" und "Neue Sülze" vollständig gesperrt. In diesem Bauabschnitt gibt es keine Auswirkungen auf den Busverkehr. Die Straße "Neue Sülze" ist dann unter Berücksichtigung der Durchfahrtsbeschränkungen wieder befahrbar.
Bevor die Polleranlagen in der "Neuen Sülze" in Betrieb gehen können, sei eine "ausgiebige Probephase" erforderlich, um zu testen, ob die verschiedenen technischen Zugangsmittel einwandfrei funktionieren. In einer erweiterten Probephase sollen diese dann mit Nutzergruppen wie ÖPNV, Blaulichtgruppen und Anwohnern getestet werden. Sobald alles einwandfrei funktioniert, werde der Übergang in die Betriebsphase erfolgen.
◼︎ Zahlreiche weitere Fahrradstraßen geplant
Mit dem Bau des Fahrradrings verfolgt die Stadt das Ziel, den Radverkehr "nachhaltig zu stärken, den innerstädtischen Verkehr zu entlasten und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten", so das Rathaus. Bereits in diesem Sinne umgesetzt sind die Abschnitte Wallstraße, Haagestraße und Bei der St. Johanniskirche. Geplant und beschlossen sind neben dem jetzt geplanten Abschnitt Neue Sülze auch der Bereich in der Salzstraße.
Die Abschnitte Bei der St. Lambertikirche, Marienplatz/Am Ochsenmarkt/Bardowicker Straße sowie Altenbrückertorstraße/Ilmenaustraße/Auf dem Kauf/Lüner Straße will die Verwaltung ebenfalls noch als Fahrradstraßen ausbauen. Doch das steht angesichts der leeren Kassen und der anstehenden Kommunalwahl im September auf wackeligen Beinen. Nicht zuletzt dehalb scheint die Verwaltung bei der jetzigen Maßnahme aufs Tempo zu drücken.

