27.09.2026 - Die Menschen in Stadt und Landkreis Lüneburg haben gewählt, für lange acht Jahre müssen sie nun mit dem Ergebnis leben, das sie sich bei den heutigen Stichwahlen um das Landratsamt und das Oberbürgermeisteramt beschert haben. Ob das für die Region am Ende gut ausgeht, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall dürfte mit den beiden Gewählten – Steffen Gärtner als neuer Landrat und Claudia Kalisch als wiedergewählte Oberbürgermeisterin – Kontinuität zu erwarten zu sein. Doch genau darin könnte das Problem liegen.
Kontinuität wurde von den meisten bislang als erstrebenswert betrachtet, sicherte sie doch das Fortbestehen liebgewonnener Errungenschaften, sei es beim Ausbau der Kita-Betreuung, sei es bei der Ganztagsbeschulung, weil man seine Kinder bequem in den staatlich finanzierten Lehranstalten parken kann, sie es der Bau eines neuen, meist überdimensionierten Stadtteilhauses oder sei es die Einrichtung eines sinnentleerten Dialog-Raumes oder der Bau eines Premium-Radwegs von Scharnebeck nach Adendorf, bei dem sich viele Scharnebecker fragen, was sie ausgerechnet in Adendorf sollen. Oder seien es Fördermittel für Minderheiten und Randgruppen, nur, damit auch möglichst viele im Kreistag und im Stadtrat dem nächsten Haushalt zustimmen.
Apropos Haushalt: Auch hier ist Kontinuität zu erwarten, allerdings mit tiefroterm Anstrich. Denn die Haushalte von Stadt und Landkreis sind längst aus allen Fugen geraten, niemand kann sagen, wie die Löcher je wieder gestopft werden sollen – und keiner der Gewählten scheint dies auch ernsthaft in Angriff nehmen zu wollen.
Das bewährte Schuldenmachen dürfte also wie gewohnt weitergehen. Denn weder hat sich Steffen Gärtner bislang in seiner Samtgemeinde als beinharter Sparer hervorgetan, noch Claudia Kalisch in Lüneburg oder zuvor in Amelinghausen. Der Unterschied zwischen Beiden: Bei Kalisch wussten die Lüneburger, wen sie da wählen. Bei Gärtner hatten sie nur die Wahl, ob ein CDU-Mann oder ein SPD-Mann das nichtvorhandene Geld ausgibt. Hier wird die Kompetenz offenkundig eher bei Gärtner gesehen.
Anders in Lüneburg: Mit Heiko Meyer trat mal einer an, der zwar überhaupt keine Ahnung von Verwaltung hat, dafür aber stets vermittelte, Lüneburg besser regieren zu können. Schade, dass er diesen Beweis nun erneut nicht antreten kann. Denn es wäre sicher interessant gewesen zu erleben, wie das jährliche Verteilen von zuvor eingenommenen Steuergeldern – man nennt es auch Haushalt – mit einem Parteilosen ausgegangen wäre, noch dazu von einem, der nichts gegen Autofahrer hat.
Nun aber bleibt alles wie es war, zumindest für die nächsten acht Jahre. Mal schauen, wie lange das gutgeht. Die beiden nächsten zu beschließenden Haushalte werden aufschlussreich sein.
Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Gärtner kommt, Kalisch bleibt"

