Wie die neuen Rathaus-Fraktionen ihre Politik umsetzen wollen
Lüneburg, 06.10.2026 - Eine gewonnene Wahl garantiert noch keine Mehrheit. Wer seine angekündigten politischen Ziele auch umsetzen will, braucht in der Regel Partner. Doch die müssen erst einmal gefunden werden – eine Aufgabe vor allem für die Vorsitzenden der frisch gebildeten Fraktionen. SPD, CDU und FDP im Lüneburger Stadtrat haben ihre neuen Chefs bereits gewählt. Aber auch Einzelkämpfern kommt hier eine nicht unbedeutende Rolle zu.
Es war die CDU, die gestern noch am späten Abend die Wahl ihres neuen Fraktionsvorsitzenden bekanntgab. Die siebenköpfige Fraktion wird künftig von Heiko Eggers geführt, der auch gleich ankündigte, den erhaltenen Wählerauftrag auch umzusetzen. Ihre politischen Kernthemen Sicherheit, Sauberkeit, Bildung, Wohnen, Mobilität wolle man "sachlich, transparent und lösungsorientiert" in den Rat einbringen, so Eggers. Und man wolle "offen für gute Ideen" sein.
Die SPD legte heute nach, ihre neun Mitglieder starke Ratsfraktion hat sich mit Andrea Schröder-Ehlers und Oliver Wozniok als neue Vorsitzende wieder für eine Doppelspitze entschieden. Ihr gehe es nicht nur darum, sozialdemokratische Politik im Rat zu machen. Vielmehr wolle man "offen auf die anderen demokratischen Fraktionen zugehen" und stehe für Gespräche mit ihnen bereit. Die Doppelspitze soll dabei "unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zusammenführen".
In der FDP-Fraktion wird weiterhin Frank Soldan den Vorsitz haben. Ihr Problem: Mit nur zwei Mitgliedern bildet sie die kleinste Fraktion im Rat. Eigentlich böte sich für sie eine Kooperation einem der Einzelvertreter im Rat an, also Volt, BSW und der "Partei", wobei inhaltlich wohl am ehesten Volt infrage käme. Doch von einer Gruppe, wie ein solcher Zusammenschluss genannt wird, hält Soldan nichts: "Wir bieten unsere Zusammenarbeit überall an und werden auf andere zugehen, bleiben aber eine eigenständige Fraktion." Damit läuft es wie auch bisher auf eine themenbezogene Zusammenarbeit hinaus.
◼︎ Volt ist Mehrheits-orientiert
Volt-Einzelkämpfer Michèl Pauly geht einen anderen Weg. Er hat bereits den Kontakt zu den anderen Fraktionen außer AfD und BSW gesucht und auch schon gleich nach der Wahl Gespräche geführt. Sein Ziel ist die Bildung einer Gruppe, egal mit welcher Fraktion, eine Mehrheits-Konstellation aber sollte es schon werden. "Sie wäre für Lüneburg die beste Lösung." Die Alternative wären wechselnde Mehrheiten, "doch diese Variante ist nach meiner bisherigen politischen Erfahrung an seine Grenzen geraten".
Die Sorge, hierbei als Volt-Politiker nicht mehr ausreichend wahrgenommen zu werden, hat Pauly nicht: "Ich bin müde, nur Haltung zu präsentieren", ihm gehe es darum, in der Sache etwas voranzubringen. Einen Vorschlag für die Zusammenarbeit bringt er auch gleich mit. So plädiert er für eine begrenzte Redezeit, "und zwar pro Ratssitzung und nicht pro Thema". Wie die Redezeit genutzt wird, dürfe jede Fraktion oder Gruppe dann für sich selbst bestimmen.
Ob auch der Vertreter von der "Partei" eine Zusammenarbeit in einer Gruppe sucht, war am Abend nicht in Erfahrung zu bringen. Ebenso, ob die AfD, die mit jetzt vier Mitgliedern im Rat vertreten ist, mit dem BSW-Vertreter zusammen eine Gruppe bilden wird.

