Kubicki ist neuer FDP-Vorsitzender – Rückwind für Frank Soldan und die Lüneburger Liberalen?
Lüneburg, 07.06.2026 - Totgesagte leben länger. Diese Erfahrung macht aktuell auch die FDP. Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Partei nach ihren herben Verlusten bei den jüngsten Landtagswahlen für "tot" erklärt hatte, erfährt sie in diesen Tagen unverhoffte Zustimmung. Grund ist die Wahl von Wolfgang Kubicki zum neuen FDP-Vorsitzenden, die auch mit einer Neuausrichtung der Partei gegenüber der AfD einhergeht und auch gleich für reichlich Medienrummel sorgte. Eine Gefahr für Frank Soldan, der im September Oberbürgermeister von Lüneburg werden will? LGheute hat mit dem FDP-Politiker gesprochen.
"Neuen Schwung" wird die Wahl von Kubicki zum neuen Vorsitzenden in die Partei bringen, davon ist Frank Soldan fest überzeugt. "Wolfgang Kubicki ist ein sehr erfahrener und geschätzter Politiker mit Ecken und Kanten." Seine Art, Positionen zu vertreten – "immer klar und unbeirrt" – gefalle vielen. Spannend dabei: Kubicki hat sich deutlich gegen die sogenannte "Brandmauer" gegen die AfD ausgesprochen, die inzwischen von immer mehr Menschen kritisiert wird. Eine solche Brandmauer stehe nicht in der Verfassung, deshalb müsse man sie auch nicht aufrechterhalten, so Kubicki.
"Formal hat er recht", sagt Soldan, "trotzdem werde ich mich weigern, mit Extremisten gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen." Das aber will auch Kubicki nicht. Auch er würde keinem Antrag der AfD zustimmen, mit ihr auch nicht koalieren oder sich von der AfD dulden lassen. Aber: Er würde eigene Anträge nicht davon abhängig machen, dass die AfD ihnen zustimmen könnte.
◼︎ FDP-Zustimmung steigt wieder
Kubicki hat mit seiner "Brandmauer"-Position offenbar einen Nerv getroffen, das zeigten die teils heftigen Reaktionen aus den Parteien und den Medien deutlich. Geschadet hat ihm das offenbar nicht, denn bei jüngsten Meinungsumfragen kletterte die FDP von zuletzt drei auf jetzt wieder fünf Prozent.
Wird der Kubicki-Hype aber auch den Liberalen in Lüneburg, allen voran Frank Soldan als OB-Kandidat Auftrieb geben? "Da wir als FDP Lüneburg immer auch von der überregionalen Wahrnehmung der FDP abhängig sind, wird das auch uns gut tun, im Inneren, wie in der Wirkung nach außen", so Soldan. Mit Kubicki werde die FDP und ihre Politik wieder besser wahrgenommen werden, "denn medienwirksam sind seine Statements aus meiner Wahrnehmung immer".
◼︎ Grabenkämpfe? Spaltung?
Klar ist aber auch: Auf Kubicki kann nicht jeder, nicht einmal in der eigenen Partei. Bei seiner Wahl zum Vorsitzenden brachte er es gerade mal auf 60 Prozent, seine Gegenspielerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf 40 Prozent. "Natürlich gibt es auch Personen, die mit Wolfgang Kubicki als FDP-Vorsitzendem nicht einverstanden sind. Denen sage ich: Noch nie war ich mit jeder Entscheidung auf Bundesebene zufrieden. Aber ich akzeptiere demokratische Entscheidungen und setze mich weiter hier vor Ort für eine liberale Politik ein."
Was die FDP aber nicht brauche, "sind Grabenkämpfe untereinander", betont Soldan und reagiert damit auf Medienkommentare, die gleich nach der Kubicki-Stra-Zi-Wahl ein solches Szenario an die Wand malten – ein Szenario, das Focus-Kolumnist Jan Fleischhauer übrigens nicht gelten lässt. In seinem jüngsten Podcast bestreitet er eine Spaltung innerhalb der Partei, das sei lediglich "die Meinung der Delegierten und Kommentatoren". Nur dürfe deren Meinung nicht mit der Meinung im Wahlkreis verwechselt werden, hebt Fleischhauer hervor, der gleichwohl nicht mit Kritik an der Partei spart, damit aber den links-liberalen Flügel in den Blick nimmt und von "Verpissernummer" spricht.
Und wie steht Frank Soldan dazu? Für wen schlägt sein Herz? "Ich hätte ihn auch gewählt", bekennt der OB-Kandidat. Strack-Zimmermann wäre "keine bessere Vorsitzende", ist Soldan überzeugt. "Das mag auch daran liegen, dass ich sie nicht persönlich kenne, mit Herrn Kubicki aber schon hier in Lüneburg persönlich Erfahrungen sammeln konnte."

