Lüneburg übergibt Jüdischen Friedhof an jüdischen Landesverband
Lüneburg, 28.05.2026 - Jüdischer Friedhof? Wohl nur wenige Lüneburger wissen, dass es einen solchen Friedhof in der Stadt tatsächlich gibt und viele Jahrzehnte gegeben hat. Die Unkenntnis darüber ist nicht unbegründet, schließlich hat sich die Stadt nie sonderlich bemüht, diese Stätte in den Blick zu nehmen. Scham, Verdrängung, Vergessen – es gibt viele Gründe, warum die Stadt, nachdem sie den Friedhof 1943 einebnen ließ und sich auch hierbei bequem nationalsozialistischem Diktat unterwarf, lieber bedeckt gehalten hat. Heute, mehr als 80 Jahre nach seiner Verwüstung, erfuhr der Jüdische Friedhof eine späte Ehrung.
Im Winter 1943/44 ließ die Stadt das Gelände des Friedhofs umfassend "säubern" und einebnen. Nahezu alle Grabsteine wurden dabei zerstört oder verkauft. Anschließend errichtete man auf einem Teil des Areals ein Behelfsheim, dessen Fundament aus den letzten verbliebenen Grabsteinen des jüdischen Friedhofs bestand. So weit die Stadt selbst in rückblickend nüchterner Bilanz ihres mitverschuldeten Handelns.
◼︎ Jüdische Familien aus der ganzen Welt
Heute nun schlug die Stadt unverhofft ein neues Kapitel auf: Am Nachmittag wurde der Friedhof feierlich an den Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen übergeben. Mit dabei: fast 50 Nachfahren jüdischer Lüneburger Familien aus ganz Europa, den USA, Afrika und Israel.
Als "Mahnung gegen das Vergessen" stehe der Jüdische Friedhof, so der allgemeine Tenor, auch heute. Ein wichtiger Träger dabei: Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) Lüneburg. Sie hatte die Begräbnisstätte seit 2022 in enger Abstimmung mit dem Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und einem Rabbiner sanieren lassen. 2024 war in einem ersten Schritt die über Jahrzehnte vernachlässigte Trauerhalle von 1912 restauriert worden. Der Lüneburger Architekt Heiner Henschke hatte sie saniert und war von Anfang an bei der Neugestaltung dabei.
◼︎ Nur noch 13 Grabsteine erhalten
Auf dem neu gestalteten Friedhofsgelände erinnern heute nur noch 13 Grabsteine – von ehemals etwa 150 – an den früheren Ort. Das Bemühen ums Erinnern ist dennoch vorhanden: Auf sechs Stelen werden die rund 170 Namen derer bewahrt, die auf dem Friedhof ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Wer mehr über den Jüdischen Friedhof erfahren möchte, hat dazu Gelegenheit beim Tag des offenen Tores am 7. Juni in der Zeit von 15 bis 18 Uhr.

