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"Wo ist die rote Linie?"

Alt-OB Ulrich Mädge erläutert im LGheute-Gespräch, warum er wieder zurück in die Politik will 

Ulrich Mädge, hier noch als Oberbürgermeister in seinem Amtszimmer im Rathaus im Jahr 2021. Foto: LGheuteLüneburg, 11.05.2026 - Gibt es eine Altersbeschränkung für Politiker? Gibt es nicht. Wer meint, noch etwas bewegen zu müssen und glaubt, es auch zu können, für den sind keine Schranken gesetzt. Ein ungeschriebenes Gesetz aber lautet: Wer ein politisches Amt hatte und – etwa aus Altersgründen – es an Nachfolger abgab, hält sich fortan mit Kommentaren und Aktivitäten zurück. Lüneburgs Alt-Oberbürgermeister Ulrich Mädge will davon nichts wissen. Im Gespräch mit LGheute erläutert er, warum es ihn zurück in die Politik zieht.

"Ich habe mich fünf Jahre zurückgehalten", antwortet Ulrich Mädge, warum er als heute 75-Jähriger, vor allem aber als früherer Oberbürgermeister, noch einmal Politik in der Stadt machen will. "Wenn ich das Gefühl gehabt hätte, der Rat hätte genug getan, würde ich nicht kandidieren, aber so ist es nunmal nicht." Zu wenig kritisch, zu blass, zu wenig Kontrolle – "so einen Rat hätte ich früher auch gern gehabt", sagt Mädge mit Blick auf seine eigene Amtszeit. Damals waren Ratssitzungen noch kontroverse Auseinandersetzungen, die gelegentlich schon mal ins Persönliche gingen und nicht selten unter Einbeziehung der Kommunalaufsicht endeten. Besonders die Grünen und die Linken hatten Mädge damals hart zugesetzt.

◼︎ Ende der Schonfrist

Dass er sich nun, nach einer Schonfrist von fünf Jahren wieder in die Politik einmischen darf, wie er selber meint, stimmt indes nicht ganz. Denn Mädge konnte es sich auch als Privatier nicht verkneifen, sich in die Tagespolitik einzumischen, wenn es ihm die Politik zu träge erschien. Das war so bei der Frage um die umstrittenen Fernwärmeabrechnungen der Avacon in Kaltenmoor ebenso wie bei der monatelangen Sperrung des Platzes Am Sande für den Busverkehr. Beides, so Mädge, hätte man besser machen können und müssen. 

Ob Mädge noch als Politiker zieht, konnte er vor zwei Jahren testen. Damals wurde der Seniorenbeirat neu gewählt, Mädge kam per Losglück in die engere Auswahl und gewann die Wahl dennoch mit überzeugendem Abstand. Den Vorsitz überließ er indes anderen, ihm reichte es auch, aus der zweiten Reihe die Strippen zu ziehen.

◼︎ Viel Geld für eine "Schrott-Immobilie"

Nun zieht es Mädge wieder in die vorderen Reihen der Politik, dieses Mal aber in den Rat. Dessen vornehmste Aufgabe ist die Kontrolle und Begleitung der Stadtverwaltung, mithin die Arbeit des Rathauses. Und dort sieht Mädge deutliche Defizite: "Die Finanzpolitik des Rathauses ist nicht sehr transparent." Trotz des desaströsen Haushalts der Stadt werden immer neue Projekte angeschoben, als gäbe es Geld im Überfluss. Beispielhaft verweist Mädge dabei auf den Kauf des ehemaligen "Lünebuch"-Gebäudes am Markt, das jetzt mit hohem Kostenaufwand als Verwaltungsgebäude umgebaut werden soll – ein Objekt, das er selbst unter Berufung auf Kenner der Immobilien-Marktes als "Schrott-Immobilie" bezeichnet.

Auch den vom derzeit Grün-geführten Rathaus forcierten Ausbau der Fahrradstraßen in Lüneburg stellt Mädge in Fage. "430 Meter Fahrradstraße kosten zwei Millionen Euro", rechnet der Alt-OB vor und fragt: "Wo ist in hier in der Politik eigentlich die rote Linie?" Dass er damit auch die Arbeit der SPD-Stadtratsfraktion kritisch mit in den Blick nimmt, nimmt er offenbar in Kauf. 

◼︎ Letzter Platz und doch weit vorn

Für und mit "seiner" SPD will Mädge aber trotzdem in den Wahlkampf ziehen und als Kandidat antreten. Gerüchte, wonach er auch ohne die SPD angetreten wäre, weist er zurück: "Ich bin SPD-Mitglied und werde es auch bleiben." Dass er trotz seiner anhaltenden Popularität es nur auf den letzten Listenplatz für den Wahlkreis IV, zu dem auch Kaltenmoor gehört, geschafft hat, sei auf eigenen Wunsch geschehen, so Mädge. "Vorn sollten Jüngere stehen", erklärt er seine joviale Haltung, die nur bedingt überzeugt. Denn auch Mädge weiß, dass der Listenplatz nur die halbe Wahrheit ist. Wer bei den Direkt-, also den Personenstimmen viele Wähler erreicht – und davon kann Mädge mit großer Wahrscheinlichkeit ausgehen –, sammelt genug Punkte, um auch mit hinterem Listenplatz noch ins Rathaus einziehen zu können. Denn bei Kommunalwahlen zählen Kandidaten, die einen hohen Glkaubwürdigkeits-Bonus haben, häufig mehr als Parteien, für die sie antreten.

Mädge dürfte dies deutlich zugute kommen. Jahrzehnte schon hat er sein Zuhause in Kaltenmoor, er kennt die Menschen dort, sie kennen ihn, manchmal auch nur aus dem Bus, mit dem er auch als Oberbürgermeister schon in die Stadt ins Rathaus gefahren ist. Kaltenmoor soll deshalb auch sein politischer Schwerpunkt sein für den Fall, dass er gewählt wird. "Mir ist Kaltenmoor wichtig. Und ich sehe, dass es derzeit keinen Ratspolitiker gibt, der sich dieses Stadtteils annimmt. Das will ich ändern."

Darüber hinaus will er in der Finanzpolitik künftig mitmischen. Unnd wer ihn kennt, weiß, dass dies nicht die einzigen Themen sein werden, bei denen er sein Wort erheben wird.

 

 

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