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Aufgelesen: Falsche Rituale

Warum es wichtig ist, die AfD zu Wort kommen zu lassen

Foto: LGheute26.06.2026 - Wenn im Lüneburger Rat der AfD-Politiker Dirk Neumann ans Rednerpult tritt, lichten sich für gewöhnlich die Fraktionsreihen bei Grünen und Linken. Man will noch nicht einmal hören, was er zu sagen hat, geschweige denn dazu Stellung nehmen. Erst wenn Neumann wieder seinen Platz eingenommen hat, kehren auch sie zurück. Diese stille Form der Ablehnung hält schon lange an, scheint der AfD angesichts weiter steigender Umfragewerte aber eher zu nutzen als zu schaden. Ähnliches Ausgrenzungsgebaren legen auch immer noch zahlreiche Medien an den Tag. Interviews mit AfD-Politikern würde ihnen nur eine Bühne geben, so die häufig gehörte Begründung. Alev Doğan, stellvertretende Chefredakteurin von "The Pioneer" hält das für falsch – und hat den umstrittenen AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah interviewt. Ihre Begründung ist lesenswert.

Hier der Wortlaut der Begründung von Alev Doğan, die sie heute per "Exclusiv"-Nachricht über den Newsletter-Verteiler von "The Pioneer" verschickte:

Der Frage mit der Bühne wohnen aus meiner Sicht zwei Fehlannahmen inne:

  1. Kein Mensch mehr ist heutzutage auf die "Bühne" Journalismus angewiesen. Der Bühnen haben insbesondere AfD-Politiker genug. Mit Reichweiten, von denen manch klassischer Publisher nur träumen kann. Zu denken, wir Journalisten seien immer noch die Torwächter öffentlicher Meinungsbildung, ist menschlich nachvollziehbare Nostalgie, aber keine publizistische Strategie.

  2. Interviews dienen nicht dem Zweck, Menschen zu adeln. Sie dienen dem Zweck, durch Fragen, Hinterfragen, Neugier und Wahrheitssuche ein Stück mehr von dem zu verstehen, wie die Welt funktioniert. Und die Welt besteht nicht nur aus guten, moralisch integren, demokratischen und anständigen Menschen. Wir Journalisten interviewen auch Terroristen, Despoten, Klein- und Großkriminelle.

Gerade wenn man die AfD für demokratiegefährdend hält, sollte man von Journalisten erwarten, dass sie sie nicht ignorieren, sondern hinterfragen. Mein Ziel: Dass jene, die die AfD wählen oder wählen wollen, wissen, wem sie ihre Stimme geben. Demokratie funktioniert nur mit einer informierten Zivilgesellschaft.

Das Interview ist nachzulesen bei "The Pioneer".

 

  

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