header

Aufgelesen: Fehlt da nicht was?

Foto: LGheute07.02.2026 - Ist unsere Gesellschaft ungerecht? Wenn es nach Linken und SPD geht, allemal. Auch die Grünen reihen sich gern mit ein, wenn Verteilungsfragen mal wieder auf der Tagesordnung stehen. So weit, so gewohnt. Unterstützung kommt stets auch von wissenschaftlicher Seite. Nahezu jeder Politikwissenschaftler und jede Soziologin, die ihre akademische Laufbahn weiter in abgesicherten Bahnen wissen wollen, achten peinlichst darauf, den gesellschaftskritischen Diskurs ja nicht zu verlassen. Ein falscher Schritt, und die sorgfältig geplante Karriere ist dahin. Alles nachvollziehbar. Aber fehlt da nicht was? Reicht es, immer nur klassenkämpferisch auf das Land zu blicken, wie eine Veranstaltung in Lüneburg meint? 

"Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeitet spaltet – und wie es anders gehen kann." Das ist der Titel einer Veranstaltung am 25. Februar im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus, bei der Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Georg-August-Universität Göttingen, aufzeigen will, wie sich die "Spaltungslinien zwischen Lohnabhängigen" vertieft haben.

Alles schön und gut. Veranstaltungen wie diese gehören zum selbstreduzierten Verständnis kommunaler Bildungsarbeit von Städten wie Lüneburg, die gern alles unterstützen, was sich gesellschaftskritisch ausnimmt, dabei aber Wesentliches vermissen lassen. Denn meist fehlt es an einem: der Gegen-Perspektive. Und damit an zentralen Fragen, die in der üblichen Gerechtigkeits-Debatte zwischen "Oben und Unten" gern ausgeblendet werden. Etwa um die Frage, wie es sich mit dem Zusammenhang zwischen abnehmendem Brutto-Inlandsprodukt und zunehmender Staatsverschuldung verhält? Oder warum Lohnerhöhungen und Rentenstabilität von mehr Faktoren abhängen als von klassenkämpferischen Parolen. Oder warum Deutschland mit 35,1 Stunden geleisteter Wochenarbeitszeit deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt? Und warum die Kaufkraft hierzulande im internationalen Vergleich in den vergangenen Jahren so massiv gelitten hat, um nur einige Punkte zu nennen.

Wie auch immer: Spannend wäre es, zu diesen volkswirtschaftlichen Zusammenhängen, die allesamt faktisch belegt und nur nicht ideologisch begründet sind, mal mehr zu hören als nur Gerechtigkeitsgefühligkeiten der Parteien, die bislang noch nicht dadurch aufgefallen sind, das Land auch mal nach vorn gebracht zu haben.

 

 

Kommentar schreiben