Pustekuchen

27.11.2016 - Er war ein großer Politiker, der sich Zeit seines Lebens für die Hansestadt eingesetzt hat, dessen Herz für die Lüneburger schlug. Klingt gut, stimmt aber leider nicht. Olof Palme war Schwede, Lüneburger Boden hat er nicht ein einziges Mal betreten, vermutlich wusste er nicht einmal, dass es diese Stadt überhaupt gibt. Diese hindert es aber nicht daran, dem vor 30 Jahren ermordeten schwedischen Ministerpräsidenten einen Gedenkstein zu widmen. Die Ankündigung der Stadt, an gleicher Stelle nun auch für den 1634 ermordeten Feldherrn und Politiker Wallenstein ein Denkmal zu setzen, der sich während des Dreißigjährigen Kriegs dem in deutschen Landen brandschatzenden schwedischen König Gustav Adolf in den Weg stellte und so tausendfaches Leid vermeiden half – stimmt leider auch nicht.

Verlogenheiten kommen heute nicht mehr gut an. Und es ist eine Verlogenheit, den Lüneburgern Glauben zu machen, Olof Palme sei einer von ihnen. Er ist es ebenso wenig wie Martin Luther King oder Che Guevara, denen hier auch kein Denkmal errichtet wird. Dass Olof Palme mit einer nach ihm benannten Straße bereits in die Nähe der deutschen Widerstandskämpfer während des "Dritten Reichs" gerückt wurde, ist schlimm genug, zu suchen hat er dort nichts. Doch was schert das einen Lüneburger, der seinen Namen gern mal wieder in der Zeitung lesen und als ehrenwerter Kämpfer für das vermeintlich Gute in die Annalen der Stadt eingehen möchte.     

Die Aktion, die sich der ehemalige Lüneburger Bürgermeister Helmut Muhsmann in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung offenbar mit besonderem Gespür für unerträgliches Sendungsbewusstsein ausgedacht hat, ist so überflüssig wie ein Kropf. Mehr noch, sie könnte sogar gefährlich werden. Denn es ist genau diese Form von politischer Korrektheit, die für viele Menschen inzwischen immer unerträglicher wird. So sehr, dass neuerdings selbst Bundespolitiker darüber ins Grübeln geraten. Nicht AfD-Gauland, sondern CDU-von-der-Leyen erklärte kürzlich: "Political Correctness ist überzogen worden." Offenbar dämmert es inzwischen auch anderen Parteien, dass Freiheit mehr bedeutet als die selbstgerechte Frechheit, anderen vorzuschreiben, was sie zu denken haben. 

Menschen haben das Recht, nicht ständig mit der Meinung anderer konfrontiert zu werden. Wenn Menschen gern Ketten bilden, massenweise Kerzen anzünden, "je suis ..."-Bekundungen abgeben oder verstorbene Politiker ehren wollen – sollen sie, es ist deren Sache. Aber bitte nicht als kollektive Zwangsmaßnahme. 

Ein Kommentar von Ulf Stüwe
zum Beitrag "Gedenkstein für Olof Palme"

 

 

Kommentare  

+1 # Oliver J. Glodzei 2016-11-27 23:15
Verstehe ich nicht. Was hat die Stiftung eines Gedenksteines mit "selbstgerechter Frechheit, anderen vorzuschreiben, was sie zu denken haben" zu tun? Was mit political correctness?
Woher rührt das vermeintliche Menschenrecht, "nicht mit der Meinung anderer konfrontiert zu werden" Ihrer Meinung nach?
Was haben Sie dagegen, wenn Menschen ihre Trauer, ihr Entsetzen oder ihre Solidarität durch Kerzen und Menschenketten zeigen? Sind Ihnen Fackeln lieber (die sind in Sachen political correctness wohl unverdächtig)?
Befremdlich.
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+1 # LGheute-Redaktion 2016-11-27 23:54
Lieber Herr Glodzei,
ein schöneres Beispiel für political correctness hätten Sie nicht liefern können: Heute darf man noch nicht einmal mehr Fackeln schön finden!
Und wenn Sie schon zitieren, dann bitte korrekt. Mein Satz lautet: "Menschen haben das Recht, nicht ständig mit der Meinung anderer konfrontiert zu werden." Dass dies insbesondere Politikern schwer fällt, ist bekannt.
Und zu den Menschenketten: Sie sollten nicht einfach etwas weglassen, nur weil es Ihnen nicht in den Kram passt. Der Absatz endet mit den Worten: "... sollen sie, es ist ihre Sache. Aber bitte nicht als kollektive Zwangsmaßnahme." Sollten Sie etwa ein Befürworter des Letzteren sein?
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