Über Täter und Verantwortung

Gedenkfeier und Buchvorstellung für Opfer der NS-Psychiatrie und NS-Justiz

Die Gedenkstätte für Opfer der "NS-Euthanasie" ist im ehemaligen Wasserturm auf dem Gelände der PKL untergebracht. Foto: LGheuteLüneburg, 21.08.2017 - Unter dem Titel "Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt" lädt die "Euthanasie"-Gedenkstätte Lüneburg zu einer Gedenkfeier für die Opfer der "Eugenik", der NS-Psychiatrie und der NS-Justiz am Sonntag, 27. August, auf die Gedenkanlage am Friedhof-Nord ein. Wenig zuvor findet am selben Tag ein Erzähl-Café mit Buchvorstellung und der Präsentation von Bildergeschichten zu Opfern der Eugenik- und "Euthanasie"-Verbrechen und den Tätern von Schülern der Schule für Pflegeberufe des Klinikums Lüneburg und der Krankenpflegeschule der Psychiatrischen Klinik Lüneburg sowie ein offenes Gespräch mit Angehörigen auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) statt.

Zu der Veranstaltung heißt es in der Ankündigung:
"An den »Eugenik«- und »Euthanasie«-Verbrechen der NS-Zeit war eine Vielzahl von Institutionen und Personen beteiligt. Lehrkräfte an Schulen, die ihre »Sitzenbleiber« und »Störenfriede« meldeten, Standesbeamtinnen und -beamte, die die Überprüfung von »Ehetauglichkeit« beantragten, Fürsorgerinnen und Fürsorger, deren Schützlinge für eine Sterilisation oder einen Anstaltsaufenthalt angezeigt wurden, niedergelassene Ärzte und Hebammen, die bei kleinstem Verdacht pflichtbewusst das Gesundheitsamt einschalteten, Heim- und Anstaltsleitungen, die ihre Insassen und Zöglinge auf sogenannten »Schwachsinn« testen ließen sowie die Verlegung von Patientinnen und Patienten in Tötungseinrichtungen mitorganisierten, Psychiater und Nervenärzte, die begutachteten und sich richterlich betätigten, über sogenanntes »lebenswertes« oder »lebensunwertes« Leben bestimmten und sich hundertfach am planmäßigen Mord beteiligten sowie hundertfach mehr durch Fehl- und Unterversorgung töteten, Richter, die Urteile über Fortpflanzung und ungeborenes Leben sprachen.
Die Morde an Patientinnen und Patienten, ihre Misshandlung und die rassenhygienische Verfolgung lassen sich ohne die Beschäftigung mit den Verantwortlichen nicht begreifen. Ohne die Täter verstehen wir die Taten nicht.

Diese Taten sind laut Verein in Lüneburg geschehen:

  • Zwangssterilisationen an mindestens 560 Frauen und Männern
  • Die Selektion und Verlegung zur Vergasung von rund 480 erwachsenen Patienten in den Tötungsanstalten Pirna-Sonnenstein und Hadamar
  • Die Ermordung von 300 bis 350 Kindern und Jugendlichen in der Lüneburger "Kinderfachabteilung"
  • Die Tötung von rund 100 weiteren Kindern und Jugendlichen durch Mangelversorgung und Hunger in der Lüneburger "Kinderfachabteilung"
  • Die Tötung von Hunderten erwachsener Patientinnen und Patienten ausländischer Herkunft und nicht ausländischer Herkunft durch Mangel- und Unterversorgung sowie durch Medikamentengabe
  • Die Selektion und Verlegung von rund 250 Patientinnen und Patienten in die Anstalt Pfafferode und eine Anstalt im Osten (zurzeit in Erforschung) zur dortigen Ermordung

Die Veranstaltungsorte:

  • Erzähl-Café mit Vorstellung des Buches "Schwachsinn wurde hier nicht festgestellt" von Dr. Carola Rudnik am 27. August um 14 Uhr im Albert-Ransohoff-Saal der Psychiatrischen Klinik Lüneburg im Hauptgebäude / Haus 48, Am Wienebütteler Weg 1 in Lüneburg
  • Gedenken der Opfer von Eugenik und "Euthanasie" am 27. August um 15.30 Uhr, Friedhof Nord-West, Am Wienebütteler Weg in Lüneburg

 

Themen-Links:

 

 

http://www.ostpreussisches-landesmuseum.de/